Rovo (07.03.2010)

Wenn Märchen wahr werden...

Alle Märchen fangen mit den Worten "Es war einmal" an. So können wir auch die Geschichte von Rovo beginnen.

Am 21.12.2009 hören wir das erste Mal von IHM. Unsere Kollegin auf Sardinien berichtet von einem grausigen Fund. Ein junger abgemagerter Rüde, der bellt und bellt und bellt. Sie steigt aus dem Auto und möchte nachsehen was ihn zum Bellen bringt. Er läuft weg, verzieht sich in Brombeersträucher und man hört sein aufgeregtes Herz förmlich schlagen. Auf einmal rennt er los, mutig und fast mit geschlossenen Augen, er hat das Futter in der Hand unserer Kollegin gerochen. Er schlingt, dabei entdeckt sie eine schwere Wunde am Hals, sie riecht grauenhaft. Der kleine Hund verschwindet wieder in den Büschen. Nachdem zwei weitere Kolleginnen eintreffen, gelingt es ihnen nach etlichen Kratzern und großer Mühe den völlig verängstigten Hund einzufangen. Sofort fahren sie in die Klinik und stellen den verletzten Hund der Tierärztin vor. Sie muss ihn narkotisieren, denn die Wunde ist tief, einmal um den Hals und sie muss operiert werden. Eine Stacheldrahtschlinge hat sich tief ins Fleisch gebohrt, alle sind entsetzt. Unsere Kollegin schreibt: "Wir erleben solche Situationen am laufenden Band, aber glaubt mir... es ist jedes Mal wieder wie ein Schlag, der einen im Herzen trifft und unsere Herzen sind schon so "ausgeleiert". Der kleine, verängstigte, verletzte Hund bekommt den Namen Rovo (Brombeere / Brombeerstrauch). Das erste Mal im Leben bekommt er Zugehörigkeit und entkommt somit der Anonymität. Wer, kleiner Rovo, wer hat Dir das angetan? Haben diese  Menschen kein Herz, können diese Menschen Deine Schmerzen nicht sehen und spüren?

Am 27.12.2009 folgen die nächsten Nachrichten. Rovos Wunde ist gesäubert, das abgestorbene Gewebe hat man entfernt und die Wunde zugenäht. Er ist ganz lieb und schüchtern, aber Rovo hat verstanden, dass diese Menschen ihm helfen möchten. Er lässt es zu, er wehrt sich nicht, er nimmt sein Herz in die Hand und ist mutig. Das erste Mal in seinem Leben. Schon wenige Tage später darf er wohl in unser Partnertierheim.

Am 29.12.2009 findet wieder eine Kontrolluntersuchung statt. Rovo trägt jetzt eine Naht rund um den Hals. Es sieht gut aus, er ist munter und beginnt langsam mit seinem Schwänzchen zu wedeln. Vielleicht das erste Mal in seinem Leben? Er wird entlassen in unser großes Partnertierheim mit über 700 Hunden. Wieder muss ein Mäulchen  mehr gestopft werden, wieder muss ein Hund hinter Gittern verschwinden. In was für einer Welt leben wir, dass die Tiere vor uns Menschen aus Sicherheit eingesperrt werden müssen, damit sie kein Leid ertragen? Ist das eine gerechte Welt?

 

Rovo ist ein total sozialer Hund. Er freundet sich direkt mit einigen Hunden an. Unter anderem schließt er eine richtige Männerfreundschaft mit Sebastiano. Er wurde dann aber noch vor Rovo vermittelt.

 

Natürlich berichten wir über Rovo und tatsächlich hat Rovo das Herz eines Menschen erweicht. Er meldet sich bei respekTiere, hat die Geschichte von Rovo auf unserer LIDA-Newsseite gelesen. Er möchte Rovo ein Zuhause geben, möchte dass er ein normales Leben führen kann, möchte das Herz von Rovo erobern und sein Leben mit ihm teilen. Wir beginnen mit dem normalen Vermittlungsablauf. Immer mehr wird klar: es scheint das perfekte Zuhause für Rovo, immer höher schlagen unsere Herzen umso weiter wir gelangen. Dann sind alle Formalitäten abgeschlossen und der Adoption steht nichts mehr im Weg. Aber es ist Winter, es gibt kaum Flugpaten, wie soll Rovo also kommen? Auch hier möchten die neuen Besitzer nicht warten, sie kaufen ein Ticket für eine Mitarbeiterin und sie wird Rovo selber abholen und auch weiteren Tiere die Ausreise ermöglichen. Rovo, Dein Märchen wird wahr, es wird ein Mensch mit einem großen Herz kommen und Dich befreien!

Anfang März fliegt also die Mitarbeiterin mit Begleiter nach Sardinien und besucht Rovo im Tierheim. Sie sind sprachlos, sehen in viele Hundeaugen, die sich nichts sehnlicher wünschen als ein Zuhause mit einer Familie. Es ist ein schwerer Gang und dann sehen sie Rovo, der der sich nun endlich freuen darf. Sie machen Bilder vom hübschen Rovo, der schon so viel Leid ertragen musste.

 

Am 07. März 2010 machen sie sich auf zum Flughafen und auf die Rückreise nach Deutschland wo Rovos Familie schon sehnsüchtig erwartet. Natürlich hat man telefoniert, Eindrücke besprochen und geteilt, auch mit unserer Leiterin der Hundevermittlung, Karin Loebnitz, stehen sie im ständigen Austausch und lassen sich auch vieles erklären. Dann ist es soweit, die Landung in Berlin. Weiß Rovo was nun passiert? Nein, er hat Angst, er ist aufgeregt und weiß nicht was geschieht. Kleiner Rovo, halte durch, bald wirst Du begreifen, dass dies die Reise ins Glück war.

 

Herzlich wird er empfangen, aber Rovo ist natürlich erschöpft. Er ist ängstlich und verwirrt. Schlaf, kleiner Rovo, morgen sieht die Welt schon ganz anders aus.

Die nächsten Tage sind für alle spannend. Rovo muss noch viel lernen und hat viel Freude in seiner neuen Welt. Seine Spaziergänge werden immer besser und vierbeinige Freunde hat er auch schon gefunden.

Seine Familie ist begeistert und hat Rovo ganz, ganz fest ins Herz geschlossen. Wie immer stellt man sich die Frage: wer und warum hat man so etwas Rovo angetan? Er schaut so unschuldig, er mag Menschen, trotz seiner Vergangenheit, er hat einfach ein so reines Herz. Diese Frage werden wir auch hier nicht beantworten können, aber wir können sagen, dass wieder Einer von so vielen wartenden Hunden es geschafft hat. Geschafft - in ein neues Leben, in die Herzen von zahlreichen Menschen. Rovo ist glücklich und verheimlicht es auch nicht. respekTiere wünscht Dir, lieber Rovo, und Deiner neuen Familie, von Herzen eine glückliche Zukunft. Die Narben am Hals werden niemals verheilen, aber die Narben auf Deiner Seele werden verblassen und schließlich werden sie nicht mehr sichtbar sein, da sind wir uns sicher! Mach's gut kleiner Brombeerstrauch! Dein eigentliches Märchen beginnt nämlich erst jetzt, es wird ein Buch voller lustiger und froher Geschichten werden und Deinen Anfang hat man am Ende Deines Buches längst vergessen...