Paulchen

 

Manchmal bedeutet helfen, daß wir gehen lassen müssen...

Paulchen's Diagnose war niederschmetternd, die Prognose düster. Dennoch wollten wir versuchen, dem stolzen Kater eine behütete Zukunft zu bereiten. Von seinen Menschen in Stich gelassen hatte sich bereits seit längerer Zeit eine junge Frau um ihn gekümmert, wobei er jedoch in seiner gewohnten Umgebung blieb. Nach seinem ersten Lähmungsanfall vorletzte Woche war dies nicht länger möglich, er mußte unter Aufsicht regelmäßig Medikamente bekommen.

So kam Paulchen zu mir - mit jeder Menge Medis im Gepäck! Ein toller Kater, unkompliziert, mit allem und jedem verträglich fügte er sich sogleich in meinen "Viel-Viecher-Haushalt" ein, als wäre er nie woanders gewesen. Die täglichen Tabletten hat er brav benommen, schon bald hatte er sich einen Platz auf der Couch gesichert und genoß die Zuwendung und das warme Zuhause. Die Sehnsucht nach draußen war jedoch groß. Vom ersten Tag an saß er vor der Katzenklappe, schaute wie gebannt den ganzen Tag durch die Klarsichtscheibe und wünschte sich so sehr, endlich wieder einen Streifzug machen zu dürfen. Natürlich war dies aufgrund seiner Erkrankung äußerst risikoreich (schließlich konnte die Lähmung jederzeit wieder auftreten) - aber einen freiheitsliebenden Kater, für den frische Luft bei jeder Witterung einfach zum Glücklichsein gehört (wenn nicht sogar die Essenz ist) kann man nicht einsperren. So entschlossen wir uns, ihm diesen Wunsch zu erfüllen und Paulchen dankte es mir, indem er wie selbstverständlich nach kurzen Runden durch den Garten und das Wäldchen schnell wieder nach Hause kam.

Leider war seine Zeit des Glück nur kurz - bereits 12 Tage nach seinem ersten schlimmen Lähmungsanfall lag er Sonntags abend plötzlich bewegungsunfähig bei mir im Arbeitszimmer. Unglaubliche Schmerzen machten den Zustand noch schlimmer. Nachdem die ersten Medikamente verabreicht waren (und dabei war Paul nicht mehr so nett sondern wehrte sich aufgrund des Schmerzzustandes heftig) konnte er nach 20min zumindest wieder laufen. Was blieb waren jedoch diese schlimmen Schmerzen verursacht durch den Thrombus; Paulchen war nur noch ein Schatten seiner selbst. Er lag teilnahmslos in seinem Bettchen, wollte nicht mehr fressen - kein Leben für einen so stolzen Kater!

Schweren Herzens mußte ich ihn gestern gehen lassen. Nun liegt er im Garten, welcher für kurze Zeit ja auch sein Zuhause war! Die Trauer ist groß, nicht nur bei mir sondern besonders auch bei zwei Menschen, die Paulchen's Schicksal mit begleitet haben: die junge Frau, die Verantwortung übernommen hat und sich um ihn kümmerte; und bei einem netten Herrn, der sich spontan bereit erklärt hat, Paulchen's Medikamente zu bezahlen. Diesen Menschen möchte ich für Ihre Unterstützung von Herzen danken. Ein besonderer Dank gilt natürlich auch Frau Dr. Schlarmann und dem gesamten Praxisteam, die sich alle rührend um Paulchen gekümmert haben.

Paulchen war so stolz, wunderschön und unabhängig. Er würde jetzt sicherlich sagen:

"Wenn ihr mich sucht, dann sucht in euren Herzen.
Wenn ihr mich dort findet, dann lebe ich in euch weiter."

Genau so wird es sein...