Carlo
Herbstferien 2010 auf Sardinien…

…unterwegs mit 3 Kindern  (12, 16 und 17), VW-Bus und Wohnwagen und Luca, ein sardischer Segugio-Mix, den wir im Februar 2009 bei respekTiere adoptiert haben (damals 7 Monate alt).

Der zweite Tag (10.10.2010) unserer Inselerkundungstour führte uns in den Nord-Westen Sardiniens nach Stintino, wo wir von kräftigem, langanhaltendem Regen erwartet wurden.

Die Kinder nutzen die tollen Wellen und sind Wellenreiten gegangen, mein Mann und ich machten es uns im Wohnwagen mit Luca und dem „Tourguide Sardinien“ gemütlich.

Als einer der Jungs vom Wasser zurückkam, unterhielt er sich draußen plötzlich mit jemandem…

Da war er dann…

…vermutlich weiß, derzeit eher graubraun, zitternd, aufgebläht, triefend nass, stinkend, sehr wackelig auf den Beinen (die Hüfte? Angefahren?) und mit sooo großen, schwarzen, traurigen Knopfaugen!!!


Später, als die Jungs alle wieder zurück waren, hatte das kleine jämmerlich anzuschauende Wesen vor unserer Wohnwagentür einen Namen: CARLO!

Die Entscheidung ihn mitzunehmen musste natürlich Mama treffen. Ich wollte doch gar keine zwei Hunde und hatte auch noch nie darüber nachgedacht was wäre wenn…?

So schlecht wie es dem Zwerg ging konnten wir ihn nicht dort lassen, immer wieder klappte ihm das Hinterteil weg!

Also einpacken und mitnehmen! Luca äugt skeptisch!

Ob das gut geht?

Besonders angetan von Carlo waren die beiden großen Jungs… bis zu dem Zeitpunkt (etwa 15 Min. nachdem wir mit Carlo losgefahren waren) wo die Frage kam: „Mama guck mal, was ist denn das da schwarzes?“ Plötzlich war Carlo gar nicht mehr so süß! Ich hatte ja schon öfter mal bei unseren Katzen den einen oder anderen Floh gesehen und erlegt, aber das…?! Es war mehr Leben auf Carlo als in ihm!

Da wir uns irgendwo in der Einöde befanden und es zu allem Überfluss auch noch Sonntag war, war es ausgeschlossen irgendwo „Frontline“ auftreiben zu können!

Unser Plan war, am nächsten Tag nach Santa Theresa zu respekTiere zu fahren und uns dort Hilfe zu holen. Aber irgendwie mussten wir ja die Nacht mit Carlo verbringen, es schüttete immer noch. Wir werden die Flöhe per Hand erlegen! …Zuviel Fell! … Langhaarschneider… Kahlschlag! … Armer Carlo, lässt friedlich alles mit sich geschehen! Liebevolle Hände die ihn umsorgen!

Eine Stunde mit unserem Jüngsten zu dritt Flöhe gemordet und noch nicht annähernd ein Ende in Sicht. Wir konnten es kaum glauben, wie unendlich viele Flöhe auf einem armen Hund sitzen können!!!!

Schluss jetzt! Carlo musste ins warme (es schüttet immer noch)! Standheizung vom Bus an, Carlo in Handtücher gepackt und in den Fußraum vor den Lüftungsaustritt gelegt.
Da lag er nun, selig im Warmen und Trockenen zu sein und rührte sich keinen Zentimeter! Lebt er überhaupt noch? Beim Streicheln gehen die Augen auf, alles gut!

Am nächsten Morgen (nach einer ruhigen Nacht) ab nach Santa Theresa.

Viele Serpentinen, Carlo ist ganz schön oft schlecht! Verdammt, wir können respekTiere nicht finden! Ein Gebäude, „Commune“ steht dran. Polizeiwagen vor der Tür. Rein da! Doofe deutsche Touris. Kommen mit Englisch ins Amtszimmer gerauscht, aber wir haben Glück und werden in ein Büro gebracht, zu einer Frau: AMBRA!!!

Ambra arbeitet für „Arca Sarda“ und die wiederum mit „respekTiere“ zusammen und… Ambra spricht Englisch! Ambra suchte uns die Telefonnummer von Christiane Broichhausen von respekTiere raus, die wir dann anriefen. Christiane sagte uns, dass bei respekTiere alles hoffnungslos überfüllt ist und keine Chance besteht Carlo aufzunehmen.

Also Plan B: Carlo muss irgendwie einem Tierarzt vorgestellt werden und er kann während unseres Urlaubs bei uns bleiben. Auf dem Nachhauseweg werden wir ihn dann in einer Pflegefamilie abgeben, sodass er vermittelt werden kann. Guter Plan, alles wird sich regeln.

Wir haben nachmittags, zusammen mit Ambra, einen Termin für Carlo beim Tierarzt.

An dieser Stelle ein riesengroßes DANKE an Ambra, die für Carlo und uns wie ein wegweisender Engel war!!! Danke, danke, danke!!!

Carlo wird gechipt und entwurmt und bekommt einen Pass. Sein linkes Hinterbein war gebrochen und ist ein bisschen schief zusammengewachsen. Ansonsten ist er fit und vermutlich ein Maremmano-Mix. Aufatmen!!!

Zur Apotheke: Frontline besorgen. Anschließend in den Supermercato Babyshampoo kaufen.

Nächster Tag, Porto Pollo: 1 ½ Stunden Carlo zu fünft gewaschen bei Regen und Wind. Mit Babyshampoo, Bürste und unseren spärliche Wasservorräten von 40 Litern. Danach in Handtücher einknuddeln, Standheizung an, ab in den Fußraum und schlafen. Schon nach dem Waschen waren es viel,  viel weniger Flöhe. Nach der Gabe von „Frontline“ war dann abends kein einziger Floh mehr übrig und Carlo einfach nur zufrieden!

 
Jetzt kann der Urlaub beginnen! Ein spannender, abenteuerlicher Urlaub mit viel Grübeln, was nach dem Urlaub sein wird. Denn…unschwer zu erraten was passiert ist … für uns völlig unerwartet  ;-) hatte sich Carlo innerhalb kürzester Zeit einen Platz in unseren Herzen erobert!

Carlo ist jetzt ca. 7 Monate alt, schon 58cm (SH) groß und äußerst verliebt in alle Schuhe und andere Dinge die sich gut kauen lassen! Luca und er sind gute Freunde geworden, kuscheln und bolzen miteinander. Die Beiden ergänzen sich sehr gut, da sie völlig verschieden sind. Carlo (Beiname: der Eisbär) der gemütliche Vielfraß, der immer seine Herde bewacht und in der Nähe bleibt und Luca der drahtige Sprinter, der doch all zu gern dem Trieb seiner Nase nachgibt und sich manchmal auf Abwegen befindet selbst wenn man mit den tollsten Leckerlies ausgestattet ist. Zusammen sind sie das dynamische Duo, was überall Aufsehen erregt, weil sie einfach unsere tollsten, süßesten Hunde sind die wir uns vorstellen können!


P.S. Merke: Kein Sardinienurlaub ohne Frontline, Babyshampoo und ein Reservepaket Hundefutter im Gepäck!