Dalma

„Todgeglaubte leben länger…“

Das war der letzte Satz, den die Klinikchefärztin mir sagte, als sie am Freitag den Behandlungsraum mit Dalma verließ, um ihn für die OP vorzubereiten….

Am letzten Donnerstag beschlossen Winni und ich: „Wir müssen endlich mal eine Dankes-E-Mail schicken – Die Kreuzbandriss-OP (für die so liebe Menschen gespendet haben) ist jetzt genau ein Jahr her, und im Moment geht es Dalma so gut…“

In den letzten Monaten ist er tatsächlich von Tag zu Tag jünger geworden, und hatte wahnsinnige Freude an 2 stündigen Spaziergängen mit seinen Hundekumpels (Einmal im Monat machen wir mit Arbeitskollegen ein Mini- Dogs on Tour).

Also, Wir danken Euch Allen für das unglaubliche Mitgefühl und die tolle Spendenbereitschaft von ganzem Herzen!!!

Am Sommerfest im September mussten wir leider einigen lieben Menschen beichten, dass Dalma sich seit Juli Schmerzmittel bekam. Irgendwie legte er sich öfter und war nicht mehr so munter.. Wir dachten
natürlich, dass er Schmerzen im Bein hat.. Nach den Gesprächen am Sommerfest setzten wir aber die Schmerzmittel ab und stiegen auf Traumeel um.

Am 28.10. hatte Dalma plötzlich blutigen Durchfall. Trotz einigem hin- und herprobieren mit Antibiotikum, Kortison, Infusionen und sogar Bluttransfusionen ging es ihm einfach nicht besser, und er war mit einem Hematokrit von knapp 15% schon fast verblutet..

Zum Schluss blieb nur noch: Aufschneiden und nachgucken. Es war wirklich mehr als knapp, und die Klinikchefärztin riet uns eher von der OP ab. Er wäre ja schon so alt, und hätte sein Leben doch schon gelebt  (- ja toll- 10 Jahre lang auf einem Hundehäuschen-Dach… jeden Tag diese Trostlosigkeit…und davor ? Als Straßenköter durchgeschlagen, jeden Tag Angst, dass ein Jäger doch einmal treffen könnte…). Nein, das sollte es nicht gewesen sein!

Die Ärztin gab ihm wegen der schlechten Blutwerte und seinem hohen Alter eine Überlebenschance von nicht mal 50% und sagte, wir sollten uns vorher noch einmal ordentlich von Dalma verabschieden.
Er wurde also aufgeschnitten. Ein gutartiger Tumor am Darm, der nach innen hin ein Geschwür gebildet hatte, das für die Blutungen verantwortlich war, war der Grund, warum er seit Monaten so abgebaut hatte. Der Tumor konnte gut entfernt werden und Dalma erholte sich sehr gut nach der OP! Er brauchte nicht einmal mehr das Traumeel! Bis Ende Januar war der Hematokrit schon auf 35% gestiegen! (Ganz ohne Medikamente! Alleine der Lebenswille reichte!) Er war so lebensfroh, wie nie zuvor! Weil er so eine Freude am Laufen hatte, fing ich sogar an, streckenweise zu joggen..

Als Schnee lag, dachten einige Leute sicher, wir würden für das nächste Hundeschlitten-Rennen trainieren. -Lupetta (unsere ca. 9 Jahre alte Hunde-Prinzessin, die zu Dalmas Gesellschaft im Juni bei uns einzog), und ich hatten teilweise arge Probleme, mit Dalma Schritt zu halten… Jeder Spaziergang war Freude pur!

Und wie erwähnt, wollten wir uns ganz, ganz herzlich bei Euch dafür bedanken!

Wie das so ist, gerade, wenn man sich so sehr freut, kommt es doch oft ganz schnell anders… Knapp 2 Stunden, nachdem wir über die Dankes-E- Mail sprachen, hatte Dalma beim Spaziergang ziemlichen Durchfall. Als wir wieder zu Hause waren, maßen wir sofort die Temperatur. -39,5Grad – schon eine halbe Stunde später war die Temperatur um 0,2 Grad gestiegen. Also fuhren wir sofort in die Klinik, wo er auch schon auf 40,5 Grad gestiegen war…

Er bekam Antibiotikum und eine Entkrampfungsspritze. So wurden wir wieder nach Hause geschickt.

Die ganze Nacht über musste er auch noch gut jede halbe Stunde pinkeln. (allerdings war das Fieber gesunken..) Also fuhren wir am nächsten Vormittag sofort wieder in die Klinik. Eine Urinprobe zeigte, dass viel Blut im Urin war. Die Ärztin schloss daraufhin auf eine Blasenentzündung, und meinte, Dalmas
Immunsystem sei von der OP im November wohl noch so geschwächt, dass jetzt eben alles auf einmal kommt… Also noch zusätzlich ein anderes Antibiotikum… Nachdem wir am Ende in einer Woche 5Mal in der Klinik waren, weil es eben einfach nicht besser wurde, und das Fieber immer wieder schwankte, bestanden wir darauf, dass endlich mal ein Ultraschall gemacht wird… Und kaum war das Ultraschallgerät an, schrien auch schon alle: „Oh, der arme Kerl! Der muss ja Schmerzen haben…!“ Der gesamte Bauchraum zeigte freie Flüssigkeit und außerdem zeigte sich eine Verformung an der Prostata. Wir bekamen sofort einen OP-Termin für den nächsten Morgen.

Um 9Uhr am Freitag sagte die Ärztin also: „Wir gucken mal, was wir tun können, aber machen sie sich nicht zu viele Hoffnungen, wenn es aussichtslos ist, lassen wir ihn nicht wieder aufwachen…“ Aber sie konnte sich noch gut an die OP im November erinnern, und sagte: „aber Todgeglaubte leben ja bekanntlich länger…“

Ich sagte, dass ich warten würde, woraufhin sie mir sagte, dass sie aber vorher noch eine andere (sterile) OP hätte, die sie gern vorzöge, da sie bei Dalma mit Eiter rechnete. Also wartete ich….. (ein Hund nach dem anderen verließ den OP, aber von Dalma hörte ich nichts mehr). Um 14.00Uhr kam endlich die OP-Ärztin auf mich zu, und erklärte, dass Dalma grade noch an einer Infusion liegt. Der gesamte Bauchraum wäre vereitert gewesen.- (Eine Zyste an der Prostata wäre aufgegangen). Beim Ausspülen wäre Dalmas Kreislauf immer wieder abgesackt, und auch das Herzchen wollte nicht mehr so recht. Deswegen hätte die OP auch etwas länger gedauert.. Sie sah noch immer sehr besorgt aus, und sagte, dass er mit der Temperatur auf maximal 39,2 Grad gehen dürfte, außerdem dürfte er sich auf gar keinen Fall übergeben…

Wir nahmen Dalma also mit nach Hause (im November hatten wir einmal versucht, Dalma stationär da zu lassen- Die Klinik rief damals 2 Stunden später an, ob wir ihn nicht doch holen könnten, er würde die ganze Zeit bellen und einfach nicht zur Ruhe kommen, und das wäre ja auch für Dalma zu viel Stress…)

Also legte er sich zu Hause unter den Küchentisch auf seinen geliebten Teppich mit vielen Kissen und Decken, und erholte sich von der schweren OP. Unsere Kira (Katze) bekam die Aufgabe, auf ihn aufzupassen, und weicht ihm Momentan auch nicht von der Seite…

Am Samstag waren wir zur Nachkontrolle wieder in der Klinik. Dort bekam er eine Infusion mit Antibiotikum zum Spülen direkt in die Bauchhöhle. Die Ärztin war sichtlich erstaunt, als Dalma ins Behandlungszimmer marschierte… Er wedelte sogar schon wieder… Morgens hatte er auch schon etwas Hühnerbrühe geschlürft… Und mittags und abends aß er schon Hühnchen und Reis mit Brühe püriert… Die Temperatur lag bei 38,5Grad.

Am Sonntag gab es schon (weil er so darum bettelte) die ersten 2 kleinen Spaziergänge. (natürlich je max. 15Min. lang) Und wir haben wieder angefangen, ihn mit vielen kleinen Portionen zu mästen, weil er wirklich sehr mager geworden ist…

Anfangs fuhren wir mit dem Auto mit den beiden immer zu einer Stelle, wo sie sofort schön ohne Leine laufen können. Da freuen sie sich immer besonders! So hatten wir die 500 Meter durchs Dorf gespart. Inzwischen lässt er sich gar nichts mehr anmerken. Wir gehen wieder die ganz normalen Runden –morgens 40Min. nachmittags gut 1Std. und abends noch einmal 20Min. (Eigentlich wollten wir die Runden langsamer steigern, aber Dalma war dagegen, und hat eben einfach seine Extrarunden gedreht, bis wir endlich einsahen, dass es keinen Sinn machte…)

Seine Temperatur ist inzwischen konstant auf 38,1Grad. Und er bettelt ständig nach Essen… bekommt er dann natürlich auch (Reserven können ja wirklich nicht schaden, und er trainiert seine Kalorien ja wirklich fleißig ab…)

Morgen lassen wir die Fäden ziehen. Ich bin schon auf die Blicke der Ärztin gespannt, wenn sie Dalma sieht.

Es ist also wirklich etwas an dem Spruch: „Todgeglaubte leben länger…“

Ganz ganz liebe Grüße!!!

Auch in Dalmas Namen!!

Miriam und Winni