Chiodo

 

 

Im Dezember 2010 erreichten uns diese Zeilen aus unserem Partnertierheim: 

22.12.2010 Ein ganzes Leben im Rifugio und dann das....

Es gibt Hunde, die schleichen sich sofort in Dein Herz und Du bekommst sie nie wieder raus. Dann gibt es auch andere Hunde, neben denen Du Jahre lang lebst und die Du fast nicht wahrnimmst, es sind die Braven, die Zurückhaltenden, es sind die, die Dich in all den Jahren nie "gestört" haben, weil sie so genügsam sind. Chiodo ist einer von ihnen, er ist einer der "Unsichtbaren", für ihn gab es nie Aufmerksamkeit, nie eine besondere Geste, für ihn gab es NICHTS, er lebte immer in diesem einen Gehege, er war eine Nummer.....

Neulich sah ich morgens dann, wie er humpelte, dann sah ich eine dicke Schwellung am Hinterbein. Schon nimmt man ihn wahr, endlich! Es wird Dir bewußt, dass er schon immer da war und auf einmal möchtest Du alles für ihn tun, möchtest ihm die Welt zu Füßen legen.... wahrscheinlich zu spät! Wir haben ihn am gleichen Tag in die Klinik gebracht, geröngt, Proben der Schwellung entnommen, die riesig ist. Das Ergebnis? Chiodo hat einen bösartigen Tumor, eine der agressivsten Krebsformen, die es gibt und er muß sofort operiert werden, es kann wahrscheinlich nur eine Palliativmaßnahme sein, um ihm die Schmerzen erträglich zu machen. Der Tumor hat alles bereits zerstört, das ganze Bein. Chiodo wurde also sofort operiert. Die OP verlief gut, das Bein wurde amputiert, das Knochen und Tumor ab der Hüfte nach unten nicht mehr zu unterscheiden waren. Nun erhält er Schmerztherapie und Beruhigungsmittel. Wir wissen nicht, wie lange der arme Kerl noch leben kann, aber den ihm noch verbleibenden Rest seines Lebens soll er in Würde verbringen - kann er das in einem Rifugio??????????

Es beschämt mich, dass es so weit gekommen ist und wir so lange nichts gemerkt haben. Was bleibt uns daraus zu lernen? Schauen wir wieder genauer hin, was um uns herum passiert, sehen wir nicht weg und finden wir ein würdiges, warmes Zuhause für Chiodo!!!! Wer hilft uns?.... so die Leiterin des Refugios im Dezember 2010.

Lieber Chiodo, Du musstest schwer erkranken, um endlich gesehen zu werden, um aufzufallen unter hunderten von Hunden. Heute, am 1.4.2011, ist alles zu spät… Niemand hat Dich wahrgenommen, niemand hat Dir ein Zuhause angeboten, wir haben Dich nicht retten können. Gestern bist Du für immer eingeschlafen. Die Metastasen in Deinem Körper haben Dich überwältigt und Deinem Leben ein Ende gesetzt, dort, wo Du Dein ganzes Leben verbracht hast, in einem Tierheim mit über 750 Hunden. Diese Vorstellung zerreist mir gerade fast das Herz. Es ist wohl die Ironie des Schicksals, dass ich Dir jetzt so nahe bin. Wo war ich vorher, ich , Deine Vermittlerin? Ich habe es nicht geschafft, Dir einen würdigen Sterbeplatz zu schenken.

Was mir bleibt, ist Dein Schicksal bei mir zu tragen, um beim nächsten Mal mehr zu kämpfen für einen Hund, der dringender als alle anderen ein liebevolles Zuhause benötigt.

Ciao, grosser, lieber Chiodo! Ruhe in Frieden, es tut mir so leid…