Ronni (25.01.2011)

Ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk!

Unser Hunderudel wurde das letzte Mal im August 2010 durch den wunderbaren Maremmano Rüden Lorenzo vervollständigt und nun stellten wir uns eigentlich auf eine ruhige Weihnacht ein mit unseren 5 Hunden. Bis uns ein Hilferuf von Karin Loebnitz aufschreckte, daß sie Hände ringend einen neuen Pflegeplatz für Ronni finden müsste. Und das kurz vor Weihnachten!

Da die Zeit drängte und wir auch in der Nähe von Ronnis bisherigen Aufenthaltsort lebten, entschlossen wir uns kurzerhand dem Verein respekTiere unbürokratisch zu helfen.

Wir wussten schon lange von dem traurigen Schicksal dieses armen Hundes, der wie durch ein Wunder all die Jahre auf der Straße überlebt hat.

Eine echte Kämpfernatur!

Oh ja, daß ist er!! Er stellte unsere Familie schon gleich am ersten Tag auf den Kopf!! Man merkte ihm die vielen Jahre der Einsamkeit sofort an. Er war freundlich, aber immer mit einem skeptischen Blick. Die anderen Hunde wurden ersteinmal als ein leidiges Übel angesehen von ihm – potentielle Futter- und Schlafplatzräuber! Und natürlich musste überall demonstriert bzw. markiert werden, daß er eigentlich ein Riese unter den Hunden ist! Kommt mir ja nicht zu Nahe!

Dies brachte ihm zuerst keine großen Sympathien bei unserer Hundegang ein  und als er dann auch noch seinem Schwanz lautstark hinterherzujagen begann, wurde er aus Unsicherheit und Angst gemieden.

Dabei ist dieses zwanghafte Verhalten nur ein kleiner Einblick dessen, was dieser Hund viele Jahre ertragen musste. Diese extrem laute Verhalten ist wie ein Hilfeschrei – auch für uns Menschen ist dies kaum zu ertragen – es tut einem selber richtig weh!

Nicht nur, daß er durch eine Hauterkrankung ohne Fell allen Witterungen und äußeren Einflüssen ausgesetzt war, sondern er trägt in seinem Körper auch etliche Schrotkugeln. Ausdruck der absoluten Hartherzigkeit und Brutalität der Menschen, die ihm begegnet sind.

Für uns ist Charly alias Ronni ein wahres Wunder!
Trotz aller schrecklichen Dinge die er erlebt hat, beginnt er sich jetzt zu öffnen. Er liebt es am Bauch gekrault zu werden –  am warmen Bauernofen zu legen - sein heißgeliebtes Fressi zu bekommen – ohne Angst schlafen gehen zu können – Spazieren gehen – liebkost zu werden. Auch die sozialen Kontakte zu unseren anderen Hunden werden immer entspannter – inzwischen wedelt er seine Kumpels manchmal sogar schon an.

Er beginnt sich zu entspannen – überhaupt ist für ihn die paradisische Ruhe hier auf unserem gemütlichen Hof ein Geschenk. Sobald aber irgend ein Störfaktor von außen kommt, kann er dies einfach nicht mehr verkraften. Da reicht es schon aus, wenn der Postbote klingelt. Wie ein Akku, der leer ist! Charly braucht noch viel viel Zeit und Ruhe und Geduld und Liebe und nochmal Liebe, um wirklich zu begreifen, daß das Leben auch schön sein kann. Man kann  nicht  alles heilen, aber vieles lindern!

Wir werden ihn dabei begleiten und bis zum Schluss tragen - versprochen!

Kleiner Mann – Deine Odyssee ist zu Ende – Du bist endlich angekommen!

Hier können Sie noch einmal Ronnis SOS Geschichte lesen:

Ronni, die Geschichte eines Monsters. 

 

Aber nicht Ronni ist das Monster sondern der Mensch, der ihn sich selbst überlassen hat. In diesen Tagen haben wir Ronni bei uns im mattatoio in Santa Teresa aufgenommen. Er stammt aus dem Landesinneren der Gallura und wurde dort in diesem grauenhaften Zustand aufgefunden, fast nackt, der gesamte Körper übersäht mit Entzündungen und Wunden. In der Klinik wurde er erstversorgt und mit einem großen Blutbild die ersten Diagnosen ermöglicht. Ronni leidet an der Sarkoptesmilbe, eine extrem aggressive Form der Räude und an einer angeborenen Deformierung seiner Vorderbeine.

Unsere Arbeit vor Ort können wir nur machen, wenn wir Gefühle wie Mitleid und Trauer und Hass auf ein Minimum reduzieren, sonst geht der Mensch kaputt. Im Falle von Ronni können wir uns die Tränen aber nicht verkneifen, Tränen des Mitgefühls, der Fassungslosigkeit und der Wut. Die Ärtze sagten uns, dass Ronni bei entsprechend medizinischer Hilfe im Welpenstadium hätte geholfen werden können, nun ist er ein Krüppel und niemand kann sich vorstellen, wie er die letzten sechs Jahre überleben konnte und noch weniger können und wollen wir uns vorstellen, wie vielen Menschen er in diesen Jahren begegnet ist, die ihm alle die Hilfe und Zuwendung verweigert und einfach weggesehen haben, das macht sie zu Monstern.

Die Räude werden wir mit adäquaten Behandlungen bald in den Griff bekommen, was danach auf Ronni für ein Leben wartet weiß noch niemand. 

Aktualisierung 19.08.2010: Ronni gewinnt den Kampf gegen die Milben.

 

"...mir war klar, dass die Sarkoptesmilbe ziemlich ansteckend ist und ehrlich gesagt hatte ich nicht vor, engen Körperkontakt mit Ronni aufzunehmen aber als ich dann letzte Woche im mattatoio angekommen bin, hat mich das Mitleid und die Dankbarkeit von Ronni einfach überwältigt und ich konnte nicht anders. Hinter mir liegt eine Woche, in der ich mit eigenen Augen beobachten konnte, wie positiv Ronni auf die Ivomectherapie gegen die Milben reagiert. Auch die Antibiose gegen die Ehrlichiose verträgt er gut und wir haben die Hoffnung, dass Ronni Ende August schon aus seiner Quarantäne entlassen werden darf und endlich mit den anderen Hunden im mattatoio spielen kann. Ronni leidet unter der Einsamkeit nämlich genauso wie unter dem furchtbaren Juckreiz. Jedes Mal, wenn ich die quietschende Eisentüre zu seinem Gehege geöffnet habe kam er mir auf seinen verkrüppelten Beinen entgegengewatschelt, mit dunklen, warmen Augen, die in seinem nackten Gesicht noch trauriger wirkten sah er mich an, wedelte mit seinem spärlich behaarten, halb kupierten Schwänzchen und drückte dann seinen geschundenen Körper gegen mich. Wie kann man so einem Wesen Berührung verwähren, Zeichen der Liebe und des Respekts? Mit jeder Streicheleinheit wurde er entspannter und drückt sich noch enger an mich, zeigte mit unbeholfenen Bewegungen Freude und sogar ein wenig Ausgelassenheit. Ich konnte ihm in einer Woche viel Liebe und Zuwendung schenken und nun fehlt er mir und er wird vergebens warten..."

Aktualisierung 25.08.2010: Ronni legt sich dickes Fell zu!

 

Heute wurde Ronni dem behandelnden Tierarzt der Klinik in Arzachena vorgestellt, der konnte seinen Augen kaum trauen. Er hatte so wie wir auch kleine Freudentränen in den Augen und machte unseren Kollegen von arca sarda die größten Komplimente für diese gute und professionelle Pflege und Behandlung von Ronni. Unser kleiner Liebling ist mittlerweile schon richtig flauschig geworden und wird mit den heißen Temperaturen auf Sardinien ziemlich zu kämpfen haben aber Ronni ist das Kämpfen gewöhnt und wird tapfer weiterkämpfen und warten, bis sich in Deutschland eine liebe Seele für ihn interessiert und ihn in sein Herz schließt, auch wenn seine Vorderbeine verkrüppelt sind und wir diesen Kampf nicht gewinnen können.

Ronnis Räudebehandlung ist abgeschlossen. Er durfte nun erstmalig in einen anderen Bereich unserer Auffangstation. Dort traf er auf einen weiteren Rüden mit dem er sich blendend versteht. Er scheint die "Einzelhaft" aufgrund der Räudebehandlung und damit verbundenen Ansteckungsgefahr endgültig hinter sich zu haben und ist glücklich Kontakt mit anderen Vierbeinern zu haben. Grundsätzlich scheint es uns so, als wäre Ronni in einem Zwinger über viele Jahre gehalten worden. Er versucht sehr häufig seinen Schwanz zu schnappen und dreht sich dabei wild um die eigene Achse. Er wird so wütend und knurrt sich in Rage, dass man nur den Schwanz mit einer Decke zudecken kann, damit es aufhört. Niemals ist er zu Menschen oder anderen Hunden so. Wir kennen das Verhalten von Hunden die länger in einem Zwinger gesessen haben und es irgendwie zur Aufgabe geworden ist in der Einöde den eigenen Schwanz zu jagen. Dies nimmt ab, wenn die Tiere aus den Zwingern befreit werden, dauert aber in der Regel durchaus Jahre bis es ganz verschwindet. Es ist ein trauriger Moment, der uns Menschen immer an die Haltung dieser Tiere erinnern wird. Umso glücklicher wird der Moment sein, an dem Ronni mit dieser Übersprungshandlung aufhört. Umso wichtiger ist es nun, für ihn eine Familie zu finden und ihn in Deutschland unseren Tierärzten vorzustellen um genau zu erfahren, was wir an seinen Beinen machen können um ihm noch viele schmerzfreie und glückliche Jahre zu schenken. Genau diese Familie, die sein Werdegang als Pflegefamilie oder gar als endgültige Adoptionsfamilie mit verfolgen möchte, suchen wir noch. Zudem bitten wir weiterhin um Spenden für Ronni um auch in Deutschland seine Untersuchungen sicher zu stellen können.