Sciumi

 

Bevor das Jahr zu Ende geht und wir fürs neue Jahr Wünsche formulierenkönnen, hat sich ein Herzenswunsch nicht erfüllt. Der, dass unsergeliebter Sciumi noch einmal Sandboden unter seinen alten Pfoten spürendarf, unter einem schattigen Baum liegen kann und das Rauschen desMeeres hören darf. Sciumi hat uns in der Nacht vom 26.12.2010 verlassen.

Zwei Wochen zuvor war unsere Kollegin Stefanie Jungnickel in Santa Teresa und hat Sciumi besucht. Nach ihrer Rückkehr wollte sie alles daran setzen, Sciumi dochnoch zu vermitteln, für ihn ein Zuhause in Deutschland zu suchen, so fit und lebensfroh ist er ihr noch begegnet.  

 

Nur wenige Tage später erlitter dann einen schlimmen Einbruch. Er hörte auf zu fressen, war matt und müde und wenn er das Vorhängeschloss am schweren Eisentor hörte, war es ihm kaum noch möglich, aufzustehen, um seine geliebte Mariangela zu begrüßen.

 

Die Kollegen vor Ort reagierten sofort, ließen neue Blutwerte analysieren, kümmerten sich besonders liebevoll um ihn, bereiteten ihm Lager aus Kissen und Decken an der Heizung. Als das Ergebnis der Blutwerte kam, schwand unsere Hoffnung, dass Sciumi dochnoch vermittelt werden könnte aber die Hoffnung, ihn ins neue Rifugio umsiedeln zu können, die blieb. Die Leber- und Nierenwerte von Sciumi hatten sich extrem verschlechtert, genauso wie sein Allgemeinzustand. Die jahrelange Krankheit hat die Organe von Sciumi so in Mitleidenschaft gezogen, dass eine Therapie nicht mehr möglich war, nur noch die, Sciumi ein Leben ohne Schmerzen zu ermöglichen. In den letzten Tagen vor Weihnachten baute Sciumi dann total ab. Er fraß nicht einmal mehr seine heißgeliebten Würstchen, mit denen Mariangela ihm immer seine Medizin verabreichte. Es war der Moment gekommen, an dem wir uns in Gedanken damit abfinden sollten, dass Sciumi keine Zeit mehr blieb. Dass es dann letztlich so schnell ging, hat uns alle zutiefst getroffen und vor allen Dingen die, die sich nicht mehr von ihm verabschieden konnten.

Den 26.12. verbrachte Sciumi damit, zu klagen, er war rastlos und schien starke Schmerzen zu haben. Das Rimadyl reichte nicht mehr aus, verzweifelt versuchte Mariangela an diesem Tag einen Tierarzt zu finden, der ihr Morphium geben würde. Als ihr das nicht gelang, verabreichte sie Sciumi ein Beruhigungsmittel und als sie ihn gegen 23.00 Uhr das letzte Mal besuchte und er einschlief, wusste sie, dass es der Abschied war.

Sciumi wurde am frühen Morgen von Maurizia im mattatoio tot gefunden. Er lag auf seinem weichen Lager, bei ihm waren seine geliebten Freundinnen, Frieda, Linetta, Lucia....

 

Sciumi liegt nun begraben am Strand von Liscia, an dem Strand, an dem er über 10 Jahrelang in Freiheit gelebt hatte. An dem Strand, an dem wir vor langer Zeit einen Zettel angebracht hatten ...bitte unbedingt bei arca sarda melden, wenn der Strandhund auftaucht, er braucht dringend medizinische Hilfe....  Mariangela hatte ihn dort nach zahlreichen Anrufen von Surfern abgeholt, in erbärmlichem Zustand, gezeichnet von jahrelanger Leishmaniose. Damals versuchte er, mit letzter Kraft durch einen kleinen Weg im Gebüsch zu entkommen. Auf diesem Weg haben unsere Kollegen ihn nun beerdigt. Mariangela meint, das wäre der Weg, den er damals einschlagen wollte, wir haben ihn unterbrochen mit viel Liebe und Fürsorge und vielen vielen glücklichen Lebensmonaten aber nun ist der Moment gekommen, an dem er seinen Weg alleine weitergeht und deshalb liegt Sciumi nun genau auf diesem Sentiero. Es ist das wieder zusammengekommen was zusammengehört.

 
 
Wir werden ihn für immer in unseren Herzen behalten.

Un bacio grande, ciao Sciumi.

Hier können Sie Sciumis Geschichte nachlesen:

Sciumis Geschichte beginnt vor 10 Jahren. Er war Teil einer dreiköpfigen Hundegruppe, die bei den Surfern am Strand von La Sciumara bekannt und beliebt war. Jeder hatte Futter dabei, manchmal richtiges Hundefutter, manchmal Reste vom Abendessen oder Frühstück. Die Hunde genossen es, sie verbrachten die heißen Tage im Schatten der vielen Wohnmobile und ihre Versorgung war immer gesichert. Alles schien idyllisch.


Trotzdem war immer ein wenig Traurigkeit zugegen. Die Hunde merkten schnell, welcher Tourist ihnen besonders gut gesonnen war und siedelten sich dann meist dort an; für die gesamte Dauer des Aufenthaltes. Je nach Windlage waren das manchmal sogar viele Tage oder Wochen, danach hieß es dann immer Abschied nehmen. Was zurückblieb waren drei Gestalten, die am Strand zurückblieben und manchmal auch ein paar Meter hinterherliefen...


So ging es über viele, viele Jahre. Aus den jungen, kräftigen Hunden wurden langsam vom harten Leben gezeichnete Geschöpfe. Nach einigen Jahren bestand die Gruppe nur noch aus Sciumi und einer sehr scheuen Hündin. Eines Tages dann, war auch sie für immer verschwunden.

Zurück blieb Sciumi. So viele Touristen haben in all den Jahren damit geliebäugelt ihn mitzunehmen. Dieser Hund hatte so viele Namen, viele Touristen begleiteten sein Schicksal über Jahre hinweg und haben ihn am Strand jedes Jahr aufs neue begrüßt.

Ob er sich jemals gewünscht hätte, mitgenommen zu werden? Wir wissen es nicht. Aus dem stattlichen und bildschönen Rüden war nun ein gebrechlicher, alter und von Krankheit gezeichneter Hund geworden.

Trotzdem hat sich Sciumi noch nicht aufgegeben und kämpft um jeden Tag. Darum möchten wir ihm gerne noch so lange es zu verantworten ist, ein wenig Liebe und Geborgenheit schenken.

Natürlich ist dieses sehr harte Leben nicht an Sciumi spurlos vorbeigegangen. Er leidet an Leishmaniose, spricht bisher aber gut auf die eingeleitete Therapie an. Bei der letzten Blutkontrolle hat sich zudem der Nierenwert erhöht gezeigt, so dass wir nun auf eine Spezialdiät umstellen müssen. Armer Sciumi! Er ist ein guter Fresser und seine Highlights am Tag waren sicherlich die Leckerchen seiner Betreuer und die Portionen „extra“, die ihm jeder gerne gab. Damit ist nun Schluss, denn wir müssen allem voran natürlich dafür sorgen, dass Sciumi neben der Freude am Fressen auch Gesundheit durchs Fressen erfährt und daher muss Futter mit reduziertem Eiweißgehalt auf den Speiseplan.

Zusätzlich zu adäquatem Futter haben wir beschlossen, Sciumi einer Schmerztherapie zu unterziehen. Den sensiblen Beobachtungen seiner Betreuer ist natürlich nicht entgangen, dass Sciumi Schmerzen hat und die möchten wir ihm nehmen. Die Tierärzte raten zu Rimadyl.

Unser Traum für Sciumi war, einen Gnadenhofplatz zu finden. Letztlich das, was er momentan schon hat, nur die äußeren Umstände sollten schöner sein, Gras statt Beton und ein eigenes Haus statt einem leeren Gebäude. Der Traum ist da, die Perspektive fehlt jedoch. Leider ist Sciumi zu zerbrechlich, um den Transport überstehen zu können. So bleibt für Sciumi erst mal das Leben im mattatoio auf Sardinien und die kleinen Freuden, die er hat, wenn er gutes Futter erhält und seine Schmerzen gelindert werden.

Die Frage, ob das Leben für Sciumi lebenswert ist, stellen sich seine Betreuer jeden Tag und wir vertrauen darauf, dass sie den Moment erkennen, an dem Sciumi gehen möchte. Er hat sich in seiner neuen Welt, die leider sehr begrenzt und nicht sehr schön ist, zurechtgefunden. Er hat die Mauern des alten Schlachthofes und seinen betonierten Innenhof als sein neues Heim akzeptiert und bewegt sich in diesem sehr begrenzten Rahmen jedoch frei und selbstbestimmt. Die meiste Zeit jedoch liegt er im Gebäude auf seiner Decke vor der Heizung. Draußen ist ihm zuviel los, zu viele kläffende Hunde und wilde Spielerei, da kann er nicht mehr mithalten.


Sciumi hat die Herzen berührt und viele Menschen interessieren sich für sein Schicksal. Unsere Kollegin Christiane war auf Sardinien und hat Sciumi besucht. Christiane hat ja schon viele Jahre Sciumis Leben begleitet und sich sehr über seine positive Entwicklung gefreut. Lesen Sie bitte ihr Originalzitat:

„Ich kann Euch nur sagen, dass er ein anderer Hund ist, als der, den ich schon mehr tot als lebendig erlebt habe. Sciumi ist total anhänglich geworden, sucht Kontakt und Zuwendung, ist am Leben interessiert und meiner Einschätzung nach hat er Lebensqualität. Er gibt Pfote, fordert mit seinen riesigen Pranken immer mehr Streicheleinheiten ein, küsst einen sogar.....“
Sciumi hat sich also wunderbar in seiner neuen Heimat eingelebt und wie Sie selbst auf den Bildern sehen können, sieht er nun wesentlich gesunder und kräftiger aus. Trotzdem wird Sciumi nie wieder reisen dürfen, d. h. ein neues Zuhause in Deutschland wird es für den alten Rüden leider niemals geben können. Aber man muss manchmal aus den Gegebenheiten das Beste herausholen und das werden wir für Sciumi auch so machen, versprochen….!

Nebenbei erwähnt hat Sciumi ein Faible für Welpen und versteht sich wunderbar mit den kleinen Wirbelwinden. Wie ein richtiger Großvater spielt und kümmert er sich um sie und anschließend wird ein schönes, gemeinsames Schläfchen gehalten.

Auf medizinischem Gebiet gibt es nicht viel Neues zu berichten. Sciumis Blutwerte werden engmaschig kontrolliert und natürlich muss er aufgrund seiner Arthrose fortlaufend ein Schmerzmittel bekommen. Es bestehen nun Überlegungen, ihm ein Depotschmerzmittel zu geben. Natürlich sind alle Schmerzmittel nicht so besonders gut für Hunde mit eingeschränkter Nierenfunktion. Aber offensichtlich ist dieses Medikament, dessen Wirkung sich je nach Alter und Gewicht über einen Zeitraum von ca. 8 Wochen entfalten soll, dass geringere Übel. Leider ist dieses Medikament relativ teuer und wir hoffen darum wieder auf Ihre Hilfe.

Wir freuen uns alle sehr, dass sich Sciumi so gut erholt hat und hoffen, dass der alte Rüde uns noch lange erhalten bleibt, um endlich ausgiebig Liebe und Geborgenheit erfahren zu können.



Heute haben wir etwas wirklich schönes zu berichten. Endlich mal wieder….!

Nicht nur unsere Kollegin Christiane sondern viele andere Surfer und Touristen am Stand von La Sciumara haben Sciumi in ihr Herz geschlossen und seine Entwicklung über all die Jahre von einem jungen Hund zu einem alten, gebrechlichen Senior verfolgt. Und wie bei Christiane hat sein Schicksal alle bewegt und mehr als einer wollte Sciumi ein endgültiges Zuhause schenken. Aber Sciumi wollte nie adoptiert werden!!!!! Auch Christiane selbst hätte ihn damals schon mitgenommen, aber er war so unabhängig, dass er  - sobald es ernst wurde - immer davon ist. Sciumi merkte immer,wenn man ihn ins Auto locken oder ein Halsband anziehen wollte. Interessanterweise ist ein Auto  bis heute ein Tabu für Sciumi und eigentlich auch ein Halsband.

Trotzdem konnte Sciumi und seine Freunde für die Dauer der verschiedenen Urlaube immer ein bischen Liebe und Geborgenheit erfahren. Die Hunde wurden versorgt, es wurde gespielt und bei den vielen, vielen Abschieden war immer viel Traurigkeit und Wehmut dabei.

Nun hat ja die aktuelle Saison begonnen und die Touristen sind wieder am Strand von La Sciumara, wo Sciumi gelebt hat, angekommen. Nachdem nun Sciumi nicht mehr am Strand zu finden war, ist einer der Surfer auf die Suche nach ihn gegangen. Auch dieser Surfer hatte all die Jahre immer Futter für Sciumi dabei und immer Anteil an Sciumis Leben genommen.

Natürlich funktionieren auf Sardinien die Buschtrommeln besser also sonst wo und daher weiß nun ganz Sciumara, dass Sciumi vom Verein abgeholt wurde und NICHT tot ist, sondern von uns gepflegt wird.

Der Surfer, der Sciumi besonders ins Herz geschlossen hat ist daraufhin sofort nach Santa Teresa gefahren, um ihn zu besuchen. Sciumi hat ihn wiedererkannt und hat das sichtlich genossen.....