Delaila
ÜBERNOMMEN
Ende Dezember bekamen wir einen Anruf von dem Tierheim in Duisburg, welches wir schon im Sommer 2005 unterstützt hatten. Sie hatten eine ältere Perserkatze aufgefunden. Sie sollte in einem schlechten Zustand sein. Von Zecken und Flöhen zerbissen, abgemagert bis auf die Knochen wurde sie aufgefunden auf den Straßen Duisburgs. Da Perserkatzen sehr sensible Tiere sind, sollte sie nicht im Tierheim bleiben. Am 02.01. wurde Delaila von uns im Tierheim abgeholt.

TIERARZTBESUCH
Auf dem Weg in ihre Pflegestelle wurde ein kurzer Stopp beim Tierarzt eingelegt um den FIV / FeLV-Test zu machen. Die vorhandenen zwei Katzen auf der Pflegestelle sollten nicht gefährdet werden. Der Test viel negativ aus.

PFLEGESTELLE
Auf der Pflegestelle schlich sich die kleine Delaila in die Herzen der Menschen. Sie lief wie ein Hund hinter dem Rockzipfel des Frauchens her. Die zwei jungen vorhandenen Kater ignorierte sie. Delailas Zustand war katastrophal. Sie hatte starken Durchfall, die Ohren sahen aus wie angefressen, das Fell war total verfilzt und ihre Augen tränten enorm.

TIERARZTBESUCH
Der zweite Tierarztbesuch folgte. Der Arzt war entsetzt. Delaila hatte starken Pils, schweren Durchfall durch Bakterien hervorgerufen, entzündete Bindehäute und war total verfilzt. Sie wurde teilweise geschoren, bekam Augentropfen und Pilzmittel, sowie Tabletten gegen den Durchfall.

ENTWICKLUNG
Die Medikamente schlugen nach und nach an. Ihr Fell wuchs nach. Leider jedoch fing Delaila an aus Protest zu Pinkeln. Die beiden vorhandenen Tiere wurden von ihr immer öfter geschlagen und angeknurrt. Sie wollte ihre Familie für sich. Immer öfter demonstrierte sie, dass sie nicht mit den zwei Katern leben möchte. Schließlich brach der Pils im ganzen Haushalt aus. Beide Kater, der Sohn und die Pflegemama bekamen den Haupilz. Wir entschlossen uns Delaila auf eine Einzelstelle zu setzen.

UMZUG UND ZWEITE PFLEGESTELLE
Delaila zog um. Sie kam in eine Familie, welche in ihrem Haus im ersten Stock ein großes Katzenzimmer für Pflegekatzen hergerichtet hatte. Aber auch hier begann Delaila schon nach kurzer Zeit das Protestpinkeln. Sie war natürlich nicht wirklich in einen Haushalt integriert und bekam "nur" mehrfach am Tag von ihrem Pflegefrauchen besuch. Dies reichte der kleinen Prinzessin nicht aus! Immer wenn sie Stimmen im Haushalt hörte, fing sie an zu weinen und forderte die Nähe und Zuneigung. Auch hier wurde es schnell zu einer nicht mehr tragbaren Lösung.

UMZUG UND DRITTE PFLEGESTELLE
Da der Pils viel zu langsam nur zurückging und auch sonst die kleine Plattnase sich nicht so entwickelte wie wir es uns vorstellten, musste sie erneut umziehen. Für uns alle war es ein Drama, denn wir bekamen Angst, dass Delaila nun nach so vielen Umzügen langsam durchdrehte. In ihren Augen wurde sie sicherlich immer weiter abgeschoben, aber es blieb uns keine andere Wahl, da sie sich immer gegen ihre Pflegestellen entschied und wir nun das perfekte Pflegezuhause suchten. Leider gab es auch keine Interessenten. Delaila sah ja nun auch auf den Bildern sehr schlimm aus.
Da wir so gut wie keine Pflegestellen haben, die keine anderen Tiere besitzen wurde es schwierig. Unsere Tierärztin nahm sie schließlich stationär in einem großen Raum in der Praxis auf. Hier wurde sie behandelt und von den Tierarzthelferinnen umsorgt. In der Mittagspause und Abends durfte die kleine Fellnase dann die Praxis unsicher machen. Der Pils war auskuriert und in der Nachbehandlung. Die Augenentzündung war geheilt und auch sonst wurde sie von Tag zu Tag hübscher. Die anderen Tiere in der Praxis fand sie nicht toll. Sobald sie entweder auf Artgenossen oder auf Hunde stieß, begann sie ihre Dominanz zu zeigen. Jaulend stand sie vor den Käfigen und zeigte ihre Präsenz.

ANFRAGE
Als wir gerade begannen zu überlegen wie wir nun mit Delaila weiter vorgehen möchten, kam eine viel versprechende Anfrage. Die stationäre Zeit war auf Dauer auch keine Lösung, denn einen normalen Haushalt konnte die Praxis nicht ersetzen.
Hier übernimmt nun die neue Katzenmama von Delaila und hat uns einen wundervollen Text geschickt:
24.02.2006
Hallo, mein Name ist Delaila und ich bin heute von meinem neuen Dosenöffner abgeholt worden. Wurde ja auch mal Zeit, dass sich jemand für mich interessiert und mich auch wirklich haben will. Jetzt seit ihr bestimmt gespannt, wie es mir heute geht? O.K. Meine Geschichte bei meinem neuen Frauchen ist schnell erzählt. Warum? Na weil ich hier jetzt die Chefin und Prinzessin bin und meine Leute habe ich voll im Griff! Aber nun Spaß bei Seite. Am Besten ich fange mit dem Tag an, an dem mich mein Frauchen besuchte und mich auch gleich mitgenommen hat.

DIE BEGEGNUNG
Es war 18.00 Uhr und auf meiner Pflegestelle (in einer lieben Tierarztpraxis) herrschte noch reger Betrieb. Obwohl ich an diesem Tage ein Bad über mich ergehen lassen musste (ich war noch nicht ganz gesund) hat sich meine neue Besitzerin nicht davon abschrecken lassen, dass ich sie ein wenig ignorierte. Ich sah auch nicht wirklich schön aus. Nach ca. 1 Stunde war es dann soweit. Mein Dosenöffner packte mich einfach in eine Transportbox, was ich ja nun gar nicht gut fand, denn ich hatte ja schon genug erlebt und mir war Angst und Bange. Die Reise war auch ziemlich lang für mich, da wir gut 250 Kilometer fahren mussten und viel Stau hatten. Frauchen nahm es gelassen, ich aber nicht.

DER EINZUG
Endlich waren wir angekommen und ich durfte aus meiner Box wieder aussteigen. Aber wo bin ich hier, wer wohnt hier? Darf ich alles untersuchen und überall hin? Schnell (hab bis morgens um 3.00 Uhr alles erkundet) hat sich herausgestellt, dass ich von nun an hier wohnen werde. Ich war begeistert. Zu meinem WC hat mich Frauchen dann mitgenommen, als sie merkte, dass ich wohl ein Bedürfnis hatte. Und siehe da, bis heute kann ich von mir Stolz sagen, dass ich es auch immer benutze. Null Protestpinkeln!

TIERARZTBESUCH
Mein Tierarztbesuch hat natürlich wieder alle Aufregung in mir hoch kommen lassen, aber es musste ja sein. Immerhin war ich nun schon einige Zeit bei Frauchen und musste auch Medikamente nehmen. Aber heute war der Tag der Nachimpfung und Nachuntersuchung. Zum Glück war die Tierärztin voll zufrieden und ich durfte endlich gebürstet werden. Alle Verfilzungen die ich noch hatte, hat Frauchen auch gleich Zuhause raus geschnitten und mich gebürstet, was ich total genossen habe. Bürsten ist für mich einfach etwas Schönes und am Liebsten gegen den Strich. Ich genieße es jeden Tag aufs Neue.

SO GEHT'S MIR HEUTE
Wie oben schon gesagt bin ich hier die Prinzessin und darf fast alles was ich will. Sogar das Bett gehört mir zur Hälfte (wenn Frauchens Freund kommt, mach ich auch gern mal Platz und gehe dann in die Box neben dem Bett, denn der Freund ist auch ganz lieb).
UND DAS SAGEN MEINE DOSENÖFFNER
Delaila ist eine wunderschöne Perserdame geworden. Sie darf wirklich alles hier. Ab und zu fängt sie an zu Mauzen im Schlaf. Sicherlich liegt es daran, was sie alles bisher erleben musste. Dann rufen wir einfach ihren Namen und alles ist gut. Niemals würde ich sie wieder hergeben. Sie hat ein wunderbares Wesen an den Tag gebracht und wir haben wirklich immer etwas zu lachen. Mittlerweile könnte ich mir sogar vorstellen, dass sie sich auch mit einer zweiten Katze verstehen würde, aber dass wäre dann sicherlich zu probieren. Wünschen würde ich es mir. Heute spielt sie immer noch gerne mit dem Bändchen. Bällchen haben es ihr auch angetan, aber seit einiger Zeit ist Fangen ihr neues Hobby geworden. Da geht's durch die ganze Wohnung und wenn sie genug hat kommt sie an und legt sich zu uns (mein Sohn und ich).
Ich kann nur sagen, dass wir hier alle sehr glücklich darüber sind, die kleine trotz ihrer damaligen Krankheiten zu uns geholt zu haben. Danke an respekTiere e.V. und Eurer Tierärztin für die geleistete Arbeit.
Vielen Dank liebe Katzenmama für den netten Brief über Delaila!

BESUCH
Der Nachbesuch bei Delaila war natürlich positiv. Sie hat sich wirklich stark verändert. Sie ist kräftig geworden und hat seidiges, dichtes Fell bekommen. Man sieht hier wieder was viel Liebe und Zuneigung bei einem Tier doch ausmachen können. Wir sind froh, dass es für die  kleine Delaila ein Happy End gegeben hat. Und bald schon muss die kleine Maus noch einmal umziehen, aber dann in ein großes Haus mit eigenem Garten, ganz ländlich! Bis dahin darf sie aber noch die Sonnenstrahlen auf dem eingenetzten Balkon genießen. Wir wünschen der Famile und Delaila eine tolle gemeinsame Zukunft.
respekTiere e.V.