Momo und Nicki
Momo und Nicki
Mein Grundsatz im Leben sowohl bei Menschen als auch bei Tieren lautet: hilf den Verlierern, denen, die auf der Schattenseite leben, die sich nicht selbst helfen können, denn die Sieger brauchen keine Hilfe. Nach dem Tod unserer heißgeliebten 19jährigen Katze Pinky stieß ich durch Zufall auf respekTiere und wollte einen kleinen Beitrag leisten, um wenigstens einigen Tieren zu einem schöneren Leben zu verhelfen. Also wurde ich Pflegestelle. Schon das erste Pflege-Katerchen, Mosé, war nicht nur wenig schön, er war auch sehr schwer krank und starb schon 1 Wo., nachdem er bei uns ankam. Schon während seiner Pflege erzählte mir Sandra von einem 4er-Wurf unglaublich scheuer Kätzchen, die von einem zum anderen gereicht wurden, letztlich von Köln nach München kamen und nur Angst hatten. Man bekam sie kaum zu Gesicht und bis jetzt hatten alle aufgegeben. Aber was sollte aus den armen Würmern werden?? Zwei davon mussten noch untergebracht werden. Keine Frage, dass ich mich dieser Aufgabe stellen wollte. Nach dem Tod von Mosé zogen also Nicki, die Scheue und Momo, der Mutige bei uns ein. Sie waren noch scheuer, als ich gedacht hatte.

Tagsüber kam nur Momo heraus, er war schon neugierig und unternehmungslustig. Bei allem Mut war er aber unendlich sensibel und schnell verängstigt. Nicki dagegen ließ sich nicht blicken. Sie lag fauchend in ihrem Versteck, sobald sie einen Menschen sah oder hörte. Es wurde harte mühsame Arbeit.

Ich verbrachte viele Stunden auf dem Boden liegend, um sie nicht durch meine Größe zu erschrecken. Nur ganz allmählich gelang es mir, Nicki aus ihrem Versteck zu locken.
 
Highlights waren dann das erste Schnurren und viel später der erste Blickkontakt (bis dahin hatte sie mich völlig ignoriert). Dazwischen lagen endlos lange Wochen, in denen sich scheinbar nichts bewegte. Momo dagegen war wesentlich aufgeschlossener, allerdings nur bei mir und meinem Mann, er kam schon seit den ersten Nächten zum Schmusen ins Bett. Von Pflegestelle war schon nach den ersten Wochen nicht mehr die Rede, denn für unsere 2 wäre eine Welt zusammengebrochen, wären sie noch weiter vermittelt worden. Inzwischen sind mehr als 2 Jahre vergangen.
 
Nicki und Momo belohnen unsere Geduld und Mühe damit, dass sie uns zeigen, wie wohl sie sich fühlen. Natürlich auf ihre Art. Keiner der beiden ist eine Schoßkatze. Keiner ist so, wie man sich landläufig eine verschmuste, zärtliche Katze vorstellt. Immer noch sind sie schreckhaft und zeigen tiefe Ängste. Fremden gegenüber hegen beide nach wie vor ein tiefes Misstrauen. Sie flüchten panisch, wenn Fremde klingeln und wenn sie draußen etwas Fremdes sehen oder hören. Dann sitzen sie stundenlang im Versteck. Aber sie zeigen uns auch täglich ihr Vertrauen und immer noch ist es täglich ein winziges Stück mehr. Das zu erleben ist unendlich viel schöner, als es bei einer "normalen" Katze je sein kann.
 
Nicki und Momo, die bis zu ihrer 5. Lebenswoche keinen Menschenkontakt hatten, lernen schrittweise das Positive am Menschen kennen, lernen uns Menschen zu akzeptieren so wie wir die beiden in ihrer ganzen scheuen, zärtlichen Wesensart akzeptieren und lieben.
 
Für uns ist es ein Genuss, einfach nur zu sehen, wie zufrieden sie sind. Wir erwarten nichts von ihnen, sie sollen einfach nur ihr Katzenleben leben. Dazu gehört auch, mal unbeobachtet vom Kuchen zu naschen oder Gulasch aus dem Topf zu klauen. Ja, wir 4 sind unzertrennlich zusammengewachsen.