Ponocchio
Ponochio

GEFUNDEN
Ponochio wurde Anfang 2005 auf Sardinien gefunden. Er lebte rund um eine Kirche, ohne grüne Flächen, auf dem Asphalt. Dort ging es jeden Tag ums nackte Überleben. Er suchte sich sein Fressen aus Mülltonnen, musste auf die streunenden Hunde und die Menschen, die ihm nicht gut gesonnen waren, aufpassen. Eine italienische Helferin fand ihn. Er hatte total verkrustete Ohren, geschwollene Augen und diverse Beulen an den Schläfen und den Wangen. Wir vermuteten bei den Ohren sofort Hautkrebs. Dies ist vor allen Dingen im Süden aufgrund der vielen Sonnenmonate nicht selten. Besonders helle Katzen, vorwiegend weiße Tiere, haben hiermit an den Schläfen und Ohren Probleme. Sofort war klar, dass Ponochio zu einer gründlichen Untersuchung nach Deutschland sollte.

ANKUNFT DEUTSCHLAND
Der nächste Flugtermin, zu dem sich Flugpaten gemeldet hatten, ging nach Hannover. Dort holte ich den Kater ab. Erst einmal separierte ich ihn in meinem Büro, da wir noch keinen FIV/FeLV-Test gemacht hatten und ich meine eigenen Tiere schützen wollte. Da der Flug gegen 23.30 Uhr landete, waren wir erst gegen 3.00 Uhr zurück in Köln. Viel hatte ich bis dahin von dem weißen Kater nicht gesehen. Als er dann Zuhause aus seinem Korb schlüpfte, war er natürlich reichlich durcheinander und versteckte sich in einem Rascheltunnel. Hier entstand das allererste Foto von unserem Kater.

Ich war erschrocken, was sich mir am nächsten Tag bot. Im Hellen sah er noch schlimmer aus als ich vermutet hätte. Er war nicht weiß, sondern eher braun. Entsprechend roch er wie eine 3 Monate alte Mülltonne. Seine Stirn war blutig gekratzt, die Ohren eingewellt bis zur Hälfte und total braun verkrustet. Seine Augen waren winzige Schlitze, weil das Unterlid sich einrollte und die Haare vom Unterlid im Auge hin und her wischten. Dies hatte eine Entzündung hervorgerufen, und seine Augen hielt er so weit wie möglich zusammengekniffen. Ein trauriger Anblick! Ich kannte nun Ponochio überhaupt nicht, wusste nur, dass er ungefähr fünf Jahre alt ist und diese komplette Zeit auf der Straße verbracht hatte. Würde er sich von mir anfassen lassen? Sofort machte ich bei unserer Tierärztin einen Termin und schilderte ihr schon am Telefon den Zustand. Die erste Fangaktion war schon etwas heftiger, obwohl mein Büro nun wirklich nicht riesig ist. Natürlich konnte der arme Kerl ja überhaupt nicht verstehen, was ihm nun widerfuhr.
 
TIERARZTBESUCH
Beim ersten Tierarztbesuch entnahmen wir Ponochio eine kleine Hautprobe von den Ohren und der Stirn. Ebenfalls wurde der FIV/FeLV-Test gemacht, mit einem negativen Ergebnis. Dies war für mich die erste Erleichterung. Wir mussten nun die Ergebnisse vom Labor abwarten. In der Zwischenzeit ließ ich den kleinen Stinker mit meinen Katzen zusammen. Sie waren ein wenig irritiert von dem großen, weißen, nicht wohlriechenden Kater. Ich wollte ihn aber auch nicht waschen, da ich befürchtete, dass ihn dies dann endgültig aus der Bahn stoßen würde, und so musste ich mich an die heranwehenden Duftfahnen erst einmal gewöhnen. Ein paar Tage später stand fest, dass es sich tatsächlich um Hautkrebs handelte. Die Ohren mussten fast gänzlich abgenommen werden, da man hier im sauberen Gewebe schneiden musste, um keinen Rückfall zu riskieren. Auch der Tumor auf der Stirn sollte entfernt werden. Der Termin wurde festgelegt.

1. OPERATION
Es war soweit, die erste Operation stand ins Haus. Ich brachte Ponochio morgens mit gemischten Gefühlen zu unserer Tierärztin. Den ganzen Tag dachte ich an den "kleinen" Kerl und hoffte, dass er alles gut überstehen würde und die Ergebnisse nicht zur Einschläferung führten. Schon nachmittags fuhr ich in die Praxis, um nach ihm zu schauen. Die ersten Bilder fand ich persönlich erschütternd: Ponochio schlief noch tief und fest in seiner Box. Sein Kopf war rasiert und komplett mit Jod komplett. Seine Ohren fehlten, und an dieser Stelle waren dicke Nähte. Auf der Stirn prangte ein Schnitt, ebenfalls mit dicken schwarzen Fäden versehen. Sein Körper war gewaschen worden, und hier sah man nun das strahlende Weiß. Gleichzeitig war Ponochio kastriert worden. Langsam kam er zu sich und blinzelte mich an. Ich saß ein paar Stunden neben ihm und erzählte ihm, was passiert war. Ich weiß nicht, ob es geholfen hat, aber ich hatte das Bedürfnis, ihm zu erklären, dass wir nur das Beste wollten. Nach ein paar Stunden stand er endlich selbstständig in der Box.
 
Wir checkten ihn noch einmal und ich durfte ihn mit einem Kragen um den Hals mit nach Hause nehmen. Dort brachte ich ihn wieder ins Büro, damit er sich von den Strapazen erholen konnte. Wenigstens hatte ich in der Zwischenzeit die Wohnung gelüftet, und nun zog nur noch ein Baby-Shampoo-Duft durchs Zimmer. Die nächsten Tage war er damit beschäftigt, den Kragen auszuziehen, und als er irgendwann aufgab, klappte es ganz wunderbar. Er lag viel auf der Fensterbank und schlief sich gesund.
 
Ich entließ ihn wieder aus der Einzelhaft und setze ihn zu meinen Tieren, die völlig schockiert waren und den armen Ponochio nur anknurrten. Er roch nach Shampoo, hatte eine große Halskrause um und die Ohren fehlten gänzlich! Was war das für ein seltsames Tier? Keiner traute sich an ihn heran, aber er erhielt immer wieder Drohungen von meinen Katern. Trotzdem flüchteten alle Katzen, wenn er kam, in einen sicheren Abstand. Von Anfang an erhielt er in ein paar Metern Entfernung von meinen Tieren sein Fressen. Zu Beginn stopfte er alles sofort und schnellstmöglich in sich hinein, als wäre es seine letzte Mahlzeit. Schon Wochen später wurde er gelassener und merkte, dass es eine Regelmäßigkeit der Fütterung gab und man dies auch genießen konnte.

ERGEBNIS UND NACHKONTROLLE
Die Ergebnisse trafen ein, und wir wurden zur Nachkontrolle in die Praxis gebeten. Die Ohren sowie der Stirntumor waren eingeschickt worden, um die Bösartigkeit zu prüfen und ob alles im sauberen Gewebe entfernt wurde oder ob es noch Reste gab. Die OP war, Gott sei Dank, sehr gut gelaufen. Alles war im sauberen Gewebe entfernt worden, und es wies nichts darauf hin, dass Ponochio nochmals Probleme mit Tumoren bekommen sollte. Nur seine Augen und die geschwollene Wange machten uns noch Sorgen. Es wurde ein zweiter Operationstermin festgelegt, in dem die Fäden gezogen werden sollten und in dem man eine Probe aus der Wange entnehmen wollte, um herauszufinden, was dies war.

2. OPERATION
Die zweite Operation verlief ebenfalls gut. Die Fäden wurden entfernt und eine Probe aus der Wange entnommen. Nun sah er schon nicht mehr wie Frankensteins Katze aus, sondern wie ein Teddybär.
Die Probe ergab nichts Schlimmes. Es war eine Wasserablagerung, die nicht behandelt werden musste. Noch eine weitere Woche musste Ponochio seinen Kragen tragen, damit er sich die Wunden am Kopf und an den Ohren nicht wieder aufriss. Immer mehr genoss er die Vorzüge seiner Pflegestelle. Ich fand es an der Zeit, den Kater endlich ins Freie zu lassen und ihm die grünen Wiesen, Bäume, Sträucher zu zeigen.

FREIGANG UND EINGEWÖHNUNG
Während er zu Beginn natürlich die Vorzüge einer Couch, eines Betts und eines Kratzbaums nicht erkannte, begann er nun nach und nach, neue Dinge in sein Leben zu integrieren: Das Bett nutze er, als wäre er ein Mensch. Der Kopf kam aufs Kopfkissen, die Decke musste ihn ein wenig zudecken, und dann konnte er prima schlafen. Ich hätte zu gerne gewusst, was in seinem Köpfchen vorging.

Auch der erste Freigang nahte. Als ich ihn das erste Mal durch die Terrassentür ins Grün entließ, schlenderte er ganz cool auf meiner Steinterrasse Richtung Rasen. Dann stutzte er und schob langsam sein Pfötchen auf das Grün. Sofort zog er sein Beinchen zurück. Was war das? Weich und grün!? Es war ihm nicht geheuer, und so kehrte er um und sprang auf die Terrasse meines Nachbarn, bis er zum Ende gelangte. Hier tippelte er durch die Toreinfahrt Richtung Parkplatz und fühlte sich anscheinend mit dem kalten Pflasteruntergrund wesentlich wohler. Schon kurze Zeit später kam er zurück. Es schien mir, als wäre er total relaxed, und er machte den Eindruck eines coolen, italienischen Machos. Meine Katzen staunten nicht schlecht, dass nun der olle weiße Kater auch draußen herumlief. Auch die Nachbarskatzen waren sehr verunsichert durch Ponochios Auftritt. Aber es schien von Beginn an klar, dass er nun der Chef des Hofs war. Eine kurze Keilerei, ein paar Tage später, ließ auch den bisherigen Boss, einen roten Kater, auf seine Ansprüche verzichten. Von nun an gab es keinerlei Probleme mehr. Sobald sich zwei Katzen auf dem Hof stritten, lief Ponochio hin und baute sich groß auf. Die Katzen vergaßen das Streiten und spurteten in alle Richtungen. Aus der Entfernung beobachteten sie den Kater. Ponochio hingegen war über die Schlichtung zufrieden und schlenderte wieder langsam davon. Gerne legte er sich mitten auf den Parkplatz und ignorierte herannahende Autos. Selbst das Gehupe irritierte ihn wenig. Er fand es nur lästig, erhob sich stolz und marschierte wie ein Königstiger von dannen. Seine Runden auf dem Hof waren immer kurz, und er war viel lieber auf seiner Couch in den sicheren vier Wänden. Mich machte sein Verhalten stutzig, und aus dem absoluten Straßenkater wurde nach und nach ein Wohnungskater, aber ein absolut stolzer! Die Katzenklappe gab ihm die Möglichkeit, sich jederzeit frei zu entscheiden, und diese Freiheit ließ ihn noch zugänglicher werden, als hätte er verstanden, dass ihm nichts Böses bevorstand.
 
Immer öfter legte er sich an meine Beine und schlief zufrieden ein. Während er mir zu Beginn nach einer kurzen Zeit des Streichelns die Krallen in die Hände und Arme grub, so dass ich ein paar Monate lang mich ständig vor Bekannten und Freunden erklären musste, wurde dies immer weniger. Viele meiner Freunde hatten enormen Respekt vor dem stattlichen Kater, vor allen Dingen, weil er zu Beginn wirklich nicht mit seinen Krallen umgehen konnte und unberechenbar wirkte.

Sein Fell wurde wieder länger und immer noch weißer. Seine Narben verblassten, und seine fehlenden Ohren wuchsen durch das lange Fell zu. Er entwickelte sich prima. Meine Katzen hatten schon lange die Angst verloren, nahmen ihn aber nicht wirklich ins Rudel auf. Er war immer etwas Besonderes, und er bekam den entsprechenden Respekt der Tiere.

VERMITTLUNG UND SPENDEN
Wir nahmen Ponochio recht schnell nach der ersten Operation auf unsere SOS-Seite. Uns war klar, dass die bevorstehenden Operationen nicht gänzlich vom Verein getragen werden konnten. Viele Menschen meldeten sich auf unseren Aufruf. Viele Spenden gingen ein, und ich erhielt viel Zuspruch für meine Arbeit. Interessenten zur Adoption von Ponochio gab es nur wenig. Ich erhielt einige Anrufe für Wohnungshaltung, schloss dies aber für den freiheitsliebenden Kater aus. Einige Diskussionen musste ich führen, ob denn die weitere Sonnenbestrahlung draußen überhaupt gut wäre und wie wahrscheinlich dann der Hautkrebs wieder ausbrechen würde. Nach Austausch mit der Tierärztin, dem Vorstand und auch mit Rücksicht auf die Entwicklung von Ponochio wollten wir ihm den Freigang nicht verwehren. Lieber ein artgerechtes Leben in Freiheit, als nach solch einer Vergangenheit ein ödes Leben in der Wohnung. Er war einfach nicht für die Wohnung geschaffen.

Ponochio wurde ein patenreicher Kater, und viele nahmen Teil an seinem Schicksal und an seiner Entwicklung. Da sich aber in Sachen Vermittlung nichts tat, beschlossen wir, Ponochio im August 2005 in der Sendung "Tiere suchen ein Zuhause" vom WDR vorzustellen. Mir grummelte etwas der Magen, als ich an die Aufzeichnung dachte. Ob Ponochio wohl artig und brav teilnehmen würde? Die Aufzeichnung ging jedoch recht problemlos, und so war ich sehr gespannt auf die Reaktion der Zuschauer. Am Sendetermin, nur zwei oder drei Tage später, trafen wir uns zu dritt und warteten gespannt auf die Sendung mit unseren Tieren. Tatsächlich riefen Leute an. Leider waren es aber keine Menschen, die wirklich Interesse an einer Adoption hatten, sondern wir wurden teilweise aufs Übelste beschimpft. Ich musste mir sagen lassen

* dass so ein Kater eingeschläfert gehört
* dass es Tierquälerei wäre, ihn am Leben zu lassen
* ob ich wüsste, wie es sich mit Krebs leben ließ
* sogar menschliche Schicksale wurden mir unter die Nase gehalten und mit dem Kater verglichen

Ich war persönlich am Boden zerstört! Was bildeten sich diese Menschen ein? Kannten sie den Kater? Wussten sie wie er lebt? Das sein Krebs besiegt war und er wie jedes andere Tier stolz durchs Leben stapfte? Wie sehr er dafür gekämpft hat? Ich wusste keinen Rat und ging sehr betrübt an diesem Abend zu Ponochio zurück. Ich war gekränkt über diese Aussagen, über diese Menschen, die ohne mit der Wimper zu zucken diesen Kater eingeschläfert hätten! In welchem Land leben wir? Wie sollte ich weiter vorgehen? Ponochio empfing mich warm und herzlich und kuschelte sich zu mir ins Bett. Wenn er wüsste!

Es folgten weitere Berichte in den Zeitschriften "Geliebte Katze" und im Magazin vom Deutschen Tierhilfswerk. Auch hiernach gingen Spenden ein und liebe E-Mails, aber der neue "Dosenöffner" blieb aus.

3. OPERATION
Die dritte Operation folgte. Diese sollte bei unsere Augenspezialistin in Köln durchgeführt werden. Nach einer Voruntersuchung wurde der Termin vereinbart. Es sollten dem Kater unter den Augen jeweils ein sichelförmiger Hautlappen entfernt und dann die Haut zusammengenäht werden. Dies sollte dazu dienen, dass das Lid sich wieder entrollte und richtig auf dem Auge lag. Seine Augenentzündung war immer stärker geworden, und man hatte Angst, dass er sich über kurz oder lang schwerere Verletzungen auf der Hornhaut zuziehen könnte. Nur mit schwerem Herzen gab ich ihn morgens zur Operation ab. Wann sollte der Kater endlich zur Ruhe kommen? Eine weitere Wucherung an der Stirn sollte gleichzeitig entfernt und eingeschickt werden. Ich hoffte inständig, dass es sich nicht wieder um einen Tumor handelte. Mit Tränen in den Augen fuhr ich zur Arbeit. Nachmittags holte ihn eine Freundin ab und brachte ihn nach Hause. Die Operation war erfolgreich verlaufen. Wieder war Ponochio rasiert und trug eine Naht auf der Stirn und zwei Nähte unter den Augen. Wieder musste er einen Kragen tragen. Für ihn offenbar nicht so schlimm wie für mich. Er ging sogar mit Kragen raus und bewegte sich, als wäre nichts gewesen. Dies erleichterte mich sehr!

ERGEBNISSE UND VERMITTLUNG
Nach wie vor gab es keine Interessenten für Ponochio. Die Ergebnisse der Operation waren gut. Seine Augen waren klarer und größer, auch wenn ich mich wunderte, dass er trotzdem immer wieder die Augen zusammenkniff. Wahrscheinlich gehört es zu seinem Auftritt und macht ihn noch cooler! Die verdächtige Stelle an der Stirn erwies sich als unbedeutend. Es war lediglich eine Verhärtung der Haut. Ponochio hatte schon von Beginn an eine steinharte Haut. Ich war froh.

Eine weitere WDR Sendung "Tiere suchen ein Zuhause" fand im Dezember statt. Eigentlich sperrte ich mich gegen die Sendung, und zwar aus zwei Gründen: Erstens wollte ich nicht wieder beschimpft werden und meine Arbeit in Frage stellen lassen, und zweitens wollte ich Ponochio endlich zur Ruhe kommen lassen. Jedoch wurde durch eine Vermittlung eines Tiers  ein Platz frei, und vielleicht sollte es ja Ponochios Chance sein. Aber leider blieb auch diese Sendung ohne sichtbaren Erfolg. Es gab zwei Interessenten, die ich auch besuchte. Es waren schöne Plätze. Der eine Platz war jedoch für Ponochio ungeeignet, und der andere Platz sprang ein paar Tage später ab. Somit war Ponochio wieder unvermittelt.
 
PERSÖNLICH
Für mich persönlich wurde die Trennung immer schwieriger. So viel hatte ich schon mit dem kleinen Prinz durchgemacht. Immer wieder hatte er endloses Vertrauen in mich gesteckt und alles über sich ergehen lassen. Mittlerweile waren wir ein gutes Team. Auch meine anderen Katzen störten sich nicht mehr an ihm. Meine älteste Katze hatte von Anfang an die größten Probleme mit ihm. Sie knurrte immer vor panischer Angst vor sich hin, wenn er nur in die Nähe kam. Irgendwann begann Ponochio ihr dann Angst einzujagen und gab ihr schon mal eine mit. Nie verletzend, aber ziemlich grob. Dies war immer der Grund, warum ich für Ponochio ein Zuhause suchte, um meiner Katze wieder die gewohnte Sicherheit zu geben. Des Weiteren konnte ich Ponochio kaum die Aufmerksamkeit geben, die er verlangte. Durch meinen Beruf, der sehr zeitintensiv ist und auch viele Geschäftsreisen mit sich bringt, und meine ehrenamtliche Tätigkeit bei respekTiere e.V. blieb immer wenig Zeit für die eigenen Tiere. So natürlich erst recht für Ponochio.

PFLEGESTELLENENDE
Als ich mich Anfang 2006 entschloss, den haarigen Kater nicht mehr zu vermitteln und ihn von der Vermittlunsseite nahm, passierte es ... Völlig unverhofft erhielt ich eine E-Mail von einer Frau, die sich nach Ponochio erkundigte. Erst dachte ich, es ist wieder jemand, der an seinem Schicksal teilnimmt und fragte, ohne wirklich ernsthaft daran zu glauben, ob denn Adoptionsinteresse bestünde. Ein langes und sehr angenehmes Telefonat entpuppte sich dann völlig anders als gedacht ...
An dieser Stelle übergebe ich an die neuen "Dosenöffner", die sich viel Mühe gemacht haben, ihre Ideen und Gedanken einzubringen, und von dem ersten Kontakt bis zur Übernahme berichten ...

PONOCHIOS NEUES ZUHAUSE
Seitdem wir den weißen Langhaarkater Ponochio im Frühsommer 2005 zum ersten Mal auf einer Internetseite gesehen hatten, verfolgten wir sein Schicksal. Die Wünsche an sein neues Zuhause, dort Einzelkatze zu sein oder höchstens zu einer freundlichen Zweitkatze zu kommen, konnten wir mit unserem "Katzenrudel" doch so gar nicht erfüllen, und so meldeten wir uns gar nicht erst bei der Vermittlungsstelle.

Nach unserem Umzug ins eigene Haus mit 1.400 qm katzensicher eingezäuntem Garten war noch eine halbblinde kleine Kätzin aus Griechenland zu uns gekommen, außerdem ein Tigerkater zugelaufen, der sich mit unserem halbstarken Maine-Coon-Kater in so einer Art permanentem Bürgerkrieg befand und die 10. Katze war schließlich eine nach 7 Jahren Tierheim immer noch nicht zahme Katzendame, die die Souterrainwohnung belagerte. Wir waren uns ganz sicher, dass wir keine weitere Katze mehr aufnehmen wollten, nicht nur aus Platzgründen, auch, weil unsere Aufmerksamkeit sich durch immer mehr Katzen teilen würde.

Jedes Mal, wenn wir Ponochios Bilder sahen, dachten wir "Oh jeh, er ist immer noch da!". So hofften wir, dass er nach einer Fernsehsendung endlich das ersehnte Zuhause bekommen würde. Als wir ihn, wieder als Notfall, in einer Katzenzeitschrift sahen und er im Dezember als Sitzenbleiber wieder im Fernsehen war, schluckten wir schwer, denn es hatte wohl kaum jemand für ihn angerufen. Im Januar 2006 sahen wir ihn aber immer noch im Vermittlungsforum und riefen in der Vermittlungsstelle an.

Wir rechneten eigentlich damit, für verrückt erklärt zu werden, denn wer lebt schon mit 10 Katzen und denkt dann noch daran, einer elften ein Zuhause anzubieten ... Wir erfuhren, dass zwar sehr viele Menschen an Ponochios Schicksal Anteil genommen hatten, gespendet hatten für seine Operationen und sich immer wieder erkundigten, wie es ihm gehe, nur haben wollte ihn keiner. So hatte man eigentlich schon entschieden, dass er in der Pflegestelle bleiben sollte, obwohl sein Wunsch nach menschlicher Nähe mit der Entwicklung vom Streuner zur Knutschkugel enorm gewachsen war und er diese Aufmerksamkeit in der Pflegestelle kaum bekommen konnte.

So begann unser Gespräch mit "Ich glaube nicht, dass wir Ponochio das gewünschte Zuhause bieten können, doch je länger wir miteinander sprachen, stellten wir fest, dass eigentlich doch alles passte. War doch bei uns fast immer jemand zu Hause, der ihm mal über den Kopf streicheln konnte, hatte Ponochio sich doch als so souverän entpuppt, dass er auch mit einem größeren Rudel überlegen fertig wurde, wollte er zwar Freigang, ging aber nie weit, könnte also mit 1400 qm durchaus zufrieden sein, und durch die Katzenklappe und die Umzäunung könnte er ja rein und raus, wann immer er es wolle. Kurz und gut, wir fuhren 400 km nach Köln, um Ponochio kennenzulernen. Als wir in der wunderschönen Pflegestelle ankamen, kamen uns erneut Zweifel. Nun hatte er es hier zum ersten Mal gut, das war sein Zuhause, und hier war der erste Mensch, der ihm Gutes getan hatte. Da konnten wir ihm wahrscheinlich bieten, wovon andere nur träumen, er wollte bestimmt nicht noch einmal umziehen. Und doch überzeugte man uns, dass es einen Versuch wert sei, wir hätten Ponochio das erste wirklich passende Angebot gemacht. So holten wir ihn eine Woche später immer noch etwas skeptisch ab und überließen den Rest dem Schicksal.

Als Ponochio bei uns zu Hause ausstieg, hielt er es für ein Versehen. Er saß vor der Haustür als wolle er sagen "Sorry, hast dich wohl verfahren, oder? Mach mal schnell die Tür auf, ich finde den Rückweg schon alleine!"

In der ersten Nacht verkroch er sich traurig im Bücherregel, unsere Katzen taten ihm zwar nichts, hielten ihn aber eher für ein Nachtgespenst (durch seine fehlenden Ohrmuscheln sah er schließlich so aus, als würde er ständig die Ohren anlegen), vor dem man große Angst haben muss und zogen es vor, trotz der Minusgrade im Freien zu übernachten.

Am nächsten Morgen trugen wir Ponochio aus dem Bücherregal in den Wintergarten, und es war, als hätte er einen Schalter umgestellt. Von diesem Moment an benahm er sich, als wäre er immer hier gewesen. Vielleicht waren es die gerade blühenden Oliven- und Zitronenbäume, die ein Gefühl auslösten, hier sei es fast wie auf Sardinien, nur musste er hier nicht auf dem Asphalt schlafen und Essen stand auch immer da. Auf jeden Fall begann er nach nicht einmal 24 Stunden zu fressen, ging auf die Katzentoilette und sogar kurz in den Garten und kam zum Schmusen aufs Sofa.

Interessant wurde es noch einmal, als unser zugelaufener Kater ihn richtig provozieren wollte und Ponochio gähnte und einfach an ihm vorbeiging. Wenn unsere beiden Halbstarken sich inzwischen prügeln, steht Ponochio auf, stellt sich mit hocherhobenem Kopf und aufgestelltem Schwanz in die Mitte und wartet, bis beide sich davontrollen. Unser eingentlicher 13jähriger und inzwischen zuckerkranker Chef liegt nach einem Begrüßungsküsschen sogar mit Ponochio auf dem Sofa. Überhaupt nutzt er jede Gelegenheit und jeden Besucher, um sich anzukuscheln. Er ignoriert auch zickige Katzendamen, die einen Anspruch auf das Bett erheben. Jetzt gehört das Bett eben Ponochio UND den Katzendamen. Inzwischen merken sie nicht einmal mehr, wenn er sich dazulegt. Unsere Katzen haben mittlerweile alle alten Gewohnheiten wieder aufgenommen, sie haben einen gesunden Respekt vor ihm und er akzeptiert sie so, wie sie sind.

Unser kleiner Held hat uns wirklich überzeugt, dass genau er uns in unserem Katzenrudel noch gefehlt hat, er hat alle unsere Zweifel ausgeräumt ,und wir würden ihn natürlich niemals mehr hergeben. Er lebt hier, als wäre er noch nie woanders gewesen und hat selbst dafür gesorgt, dass er akzeptiert wird. Doch zwei Wünsche hat er noch geäußert. Er möchte NIEMALS wieder krank werden, damit er nie wieder die schrecklichen roten Tabletten schlucken muss (hat eine Weile gedauert, bis wir bemerkt haben, dass er sie speichern kann und eine Viertelstunde später unter der Heizung deponiert). Und der andere Wunsch ist, dass endlich der Schnee verschwindet und der Sommer kommt, Sarden sind es nämlich nicht gewohnt, auf der blanken Heizung schlafen zu müssen, um eine angemessene Körpertemperatur zu halten!

BESUCH
Natürlich habe ich Ponochio, der in seinem neuen Zuhause nun Poco heißt, schon besucht. Den süßen Kerl abzugeben hat mir sehr weh getan, heute weiß ich aber, dass wir zu jeder Zeit die richtigen Entscheidungen für ihn getroffen haben. Es war gut, dass er operiert wurde. Es war gut, dass er den Freigang behalten hat, und es war eine mehr als gute Entscheidung, ihm das Zuhause zu suchen, was er braucht und wo er nun die Geborgenheit und Wärme empfängt, die er nach so vielen furchtbaren Jahren mehr als verdient hat. Ich freue mich schon, im Sommer Ponochio wiederzusehen, und ich genieße den wöchentlichen Kontakt zu seinen neuen Katzeneltern. Ponochio blüht auf und ist an seinem Ziel angelangt. Hier ein Besuchsfoto mit Ponochio und seinem Pflegefrauchen:

DANKE
An dieser Stelle möchte ich mich bedanken:

* bei den vielen Spendern, Paten und Mitfühlenden, die mich bei meiner Arbeit tatkräftig unterstützt haben und mir den Mut zugesprochen haben, den ich zeitweise fast verloren hätte.
* bei meiner Freundin und Nachbarin Claudia, die immer für Ponochio da war und sich rührend während meiner Geschäftsreisen gekümmert hat.
* bei einem starken Team von respekTiere e.V. Besonders bei Karin und Anke, die mich tatkräftig unterstützen und entlasten. Es macht mir viel Spaß.
* bei dem Vorstand, der sich entschlossen hat, Ponochio nach Deutschland zu holen und ihm die medizinische Behandlung zu geben, ohne zu wissen, ob wir diese finanziert bekommen durch Spenden. Vor allen Dingen aber bei Christiane für das tolle Projekt auf Sardinien, was jedes Jahr aufs Neue viel Kraft abverlangt: die Kolonien medizinisch zu behandeln, Kastrations- und Aufklärungsarbeit zu leisten und zu entscheiden, welche Notfälle nach Deutschland kommen sollen.
* bei unserer Tierärztin Dr. med. vet. Stefanie Wolf und ihrem Mann Holger. Ihr habt wahre Wunder vollbracht bei Ponochio. Vielen Dank für euren Einsatz und die Zeit,die ihr für uns einbringt.
* bei den neuen Besitzern, der Familie Scholz, für die Aufnahme einer weiteren Notfallkatze und für die großartige Wärme und Liebe, die ihr ausstrahlt.
* Lieben Dank, an alle die unseren Verein unterstützen und die Arbeit zulassen!

Herzlichst, Stefanie

Ihr Ansprechpartner für die Katzenvermittlung:
respekTiere e.V.
Stefanie Jungnickel                          
Köln
Tel-Nr.: 0221 50055255 (werktags ab 21.00 bis 23.00 Uhr)
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