Paperina (01.05.)

Der Abschied der Pflegestelle 

"Liebe Pina,

nun bist Du endlich angekommen in Deinem Zuhause. Wenn ich geahnt hätte, wie schwer dieser Moment werden wird, hätte ich es mir vielleicht nochmal überlegt...

Als ich kurz nach Weihnachten Dein erstes Foto gesehen habe und lange mit mir gerungen habe, ob ich überhaupt anrufe und frage, was mit Dir geschehen wird, waren wir selbst gerade erst einmal seit einem knappen Jahr Hundebesitzer, als Pflegestelle eigentlich nicht wirklich gut geeignet. Und eigentlich war mir schon klar, was kommen würde, wenn ich doch anrufe. Als ich vier Wochen später wieder ein Bild von Dir fand, habe ich es nicht mehr ausgehalten und die Hundevermittlung angerufen, um endlich meine Frage zu stellen: "Warum wird sie nicht nach Deutschland geholt? Sie muss so dringend laufen lernen..." Eigentlich wusste ich die Antwort auch schon, denn sie ist immer die gleiche: "Weil es nicht genug Pflegestellen gibt und erst recht keine für Welpen."

Also kam es, wie es kommen musste und wir wurden Hundepflegestelle, trotz Berufstätigkeit, trotz wenig Hundeerfahrung und ohne zu wissen, wie Du Dich gesundheitlich entwickeln würdest. Und jetzt muss ich sagen, wir würden es sofort wieder machen, man braucht nicht sehr viel, um einem Hund in ein besseres Leben zu helfen. Einfühlungsvermögen, einen guten Hundetrainer, einen guten Tierarzt und viel Geduld. Aus dem kleinen Welpenmädchen, dass gar nicht laufen konntte ist eine stolze kleine Hündin geworden. Es war wie ein kleines Wunder, dass Du jeden Tag ein wenig mehr auf den Zehenspitzen gehen konntest und die beiden grossen Operationen mit zweimal mehreren Monaten Gips rückten immer weiter in die Ferne. Für Dich war es bei uns ein kleines Paradies, obwohl wir Kompromisse machen mussten, weil Du so gerne Katzen gejagd hast. Du warst nur dankbar, dass Du endlich spielen und toben konntest und es immer genug zu essen gab. Du wusstest ja nicht, dass das Leben noch besser sein kann als bei uns. Unsere Hunde haben Dir gezeigt, dass Du weder vor rollenden Mülltonnen noch vor Staubsaugern Angst haben musst, wochenlang konnten wir nicht fernsehen, weil Du jedes neue Gesicht angebellt hast, so tief sassen Deine Ängste, aber wir alle zusammen haben es geschafft, Dir Sicherheit zu geben.

Und dann hast Du Deine grosse Chance bekommen und durftest in der Sendung "Tiere suchen ein Zuhause" des WDR vorgestellt werden. Du hast Dich so phantastisch gezeigt, dass man uns kaum glauben wollte, dass Du Ängste und Probleme hast. Und aus alle den vielen Interessenten haben wir versucht, für Dich das wunderbarste Zuhause zu finden. Und heute, wo alles mit Dir so wunderbar geworden ist, müssen wir Dich nun hergeben. Wir wissen, dass Du auf Händen getragen werden wirst, hast von der ersten Sekunde Deinen neuen Hundefreund Fiete zum Spielen aufgefordert, Du hast einen eigenen grossen Garten ohne Katzen, ein Frauchen , dass viel mehr Zeit für Dich hat, als wir und noch dazu ist sie Physiotherapeutin. Alles ist perfekt, und doch lässt Dein Pflegfrauchen so manche Träne kullern und ich finde, eine hättest Du wenigstens auch vergiessen können als ich gefahren bin! Aber das ist das Leid der Pflegstellen, der Abschied, ist immer irgendwann da und wir wissen natürlich, dass es für Dich der Abschied in ein noch besseres Leben ist. Wie schön ist es, dass wir Dich diese drei Monate begleiten durften und Dir in dieses bessere Leben helfen durften! Nicht auszudenken, was geschehen wäre, wenn ich damals doch nicht angerufen hätte.

Wir möchten auf diesem weg auch noch einmal allen danken, die uns in dieser Zeit geholfen haben: Unserer wunderbaren Hundetrainerin mit ihrer langen Tierschutzerfahrung, unseren Tierärzten, unseren Nachbarn und Freunden, die geholfen haben, wenn die Zeit zu knapp war zum Toben und einfach alle Hunde zu sich eingeladen haben, allen, die es ermöglicht haben, dass Pina in der Sendung "Tiere suchen ein Zuhause" vorgestellt werden konnte und natürlich dem respekTiere-Team, die es ermöglicht haben, dass Pina nach Deutschland kommen konnte und uns als Pflegestelle unterstützt haben, und vor allem unseren beiden Hunden, die Pina hier akzeptiert haben, mit ihr gespielt haben und ihr gezeigt haben, dass man keine Angst haben muss. Wir würden es jederzeit wieder machen und wünschen Dir, liebe Pina, ein wunderbares langes Leben in deinem neuen Zuhause.

In dem Tierheim warst Du nur einer von 700 Hunden, immer wieder muss ich an den Satz denken: " Man ändert die Welt nicht, indem man einem Tier hilft, aber für das Tier ändert sich die Welt.", und schon sind wir wieder bei der Geschichte von dem Mann und dem Seestern:

Als der alte Mann bei Sonnenuntergang den Strand entlangging, sah er vor sich einen jungen Mann, der Seesterne aufhob und ins Wasser warf. Nachdem er ihn schliesslich eingeholt hatte fragte er ihn, warum er das denn tue. Die Antwort war, dass die gestrandeten Seesterne sterben würden, wenn sie bis Sonnenaufgang hier liegen bleiben.

Aber der Strand ist viele, viele Kilometer lang und tausende Seeterne  liegen hier, erwiederte der Alte. Was macht es für einen Unterschied, wenn du dich abmühst? Der junge Mann blickte auf den Seestern in seiner Hand und warf ihn in die rettenden Wellen. Dann meinte er: Für diesen hier macht es einen Unterschied!

Liebe Pina, Du bist solch ein Seestern und wir hoffen, dass es noch viele Menschen geben wird, die sich um solche Seesterne kümmern. Du hast jetzt Dein Paradies gefunden, und Dein neuer Hundekumpel Fiete wird Dir schon sagen, was ein Hundeführerschein ist, dass es sich lohnt, zu gehorchen, weil man dann ohne Leine laufen darf. Welch ein wunderbarer Weg von dem kleinen behinderten Welpenmädchen bis hin zu dem neugierigen Hund, den wir in sein neues Zuhause gebracht haben! Wir vermissen Dich sehr und freuen uns schon riesig auf schöne Nachrichten von Dir.

Mach´s gut, Zaubermaus und geniesse Dein Leben aus vollen Zügen!"