Ilenia (20.10.2009)

Ilenia heißt jetzt Lina !

Sie ist ein ganzes Stück gewachsen - die Beine sind noch länger geworden. Wenn wir in den Park gehen, trifft sie jedes Mal ganz viele andere Hunde.

Sie glauben es nicht - ich wohne ja in einer sehr geordneten Gegend: Um halb zwei trifft sich die Runde der älteren Damen mit ihren mittelgroßen Hunde; von denen kennt Lina jetzt schon Bine (ein Podenco aus Teneriffa), Timmy (ein Mischling aus Griechenland), Murmel und Hanny (reinrassige Dackel bzw. Westie). Um halb drei kommen dann die alleinstehenden jüngeren, die in der Mittagspause mit den Hunden gehen (Adino, Rocky, Milly, Artur; ich krieg gar nicht alle Namen zusammen und die Rassen mal schon gar nicht). Das sind dann schon Große. Außerdem hat sie Maya getroffen, ein großer Mischling von "Niemandsland" auch aus Sardinien, der auch erst vor zwei Monaten hier angekommen ist.
Und die Kleene immer mittendrin. Erst schaut sie sich das Treiben und Toben an und dann mischt sie gewaltig mit.
In der Welpengruppe ist sie zwar meist die Kleinste, aber sie hat ein echtes Kämpferherz. Sogar Smilla, eine Parson-Russell-Hündin, und Daisy, genannt Rambo-Daisy, eine Boxerhündin, hat sie in ihre Schranken verwiesen.
Nach der Welpengruppe am Samstag sah sie aus wie eine kleine Kanalratte. Völlig verdreckt und schmutzig. Das Abwaschen in der Dusche war einfach nötig, war ihr etwas unheimlich, aber das Abfrottieren danach hat sie sichtlich genossen.

Das Aufzugfahren kennt sie jetzt - ich wohne zwar im Erdgeschoss, hatte heute aber Sachen zu schleppen - und der Aufzug aus der Tiefgarage war überhaupt kein Problem.
Mit dem Bus sind wir schon zwei Stationen gefahren. Objektiv völlig unsinnige Fahrten, aber das muss sie ja auch kennen lernen.

Sie sehen, die Maus erlebt mächtig was.

Zur Zeit üben wir, dass sie nicht an ihrer Leine knabbern soll, dass man am Bordstein anhält und erst geht, wenn ich "Na komm" sage, das Sitzen auf Anweisung. Und dass sie nicht an den Leuten hochspringen soll, was nicht ganz einfach ist, weil alle sie so süß finden, dass sie sie unentwegt streicheln wollen.
Und sie weiß schon, dass sie nicht auf die Terrasse der Nachbarin soll, die eine Katze hat. Obwohl Katzen sie ungeheuer interessieren.
Sie glauben wirklich nicht, wie schnell sie lernt.

Und das Witzigste ist, dass sie das Herz meines etwas knorrigen Nachbarn erobert hat. Er hat seine Terrasse um die Ecke von meiner. Ein Journalist, der zuhause arbeitet, und eigentlich als schwierig gilt. Sie darf sogar in seinem wertvollen Beet buddeln. Er freut sich so sehr über die Maus, dass er mir sogar von sich aus meinen Busch abschneidet, der mir das Licht in der Wohnung nimmt.

Heute haben wir das Autofahren geübt und dass meine Mutter mit ihr alleine spazieren geht. Meine Mutter ist noch etwas unsicher, ob sie Lina von der Leine lassen kann und ob sie dann auch wieder kommt.
Ich hab meiner Mutter aber erklärt, was sie dann machen muss, dass Lina wiederkommt, und auch das klappt schon.

Nachts schläft sie durch und legt dann ihr Köpfchen auf meinen Arm oder meine Schulter.
Aber ihr Kuscheltier muss dabei sein. Bei der Pflegefamilie hatte sie ja einen kleinen Seehund. Ich hab ihr einen Löwen mit wackelnden Beinen und Armen gekauft. Und genau der muss immer dabei sein. Im Auto, im Bett, wenn sie sich im Wohnzimmer auf íhre Decke legt usw.

Ich bin so dankbar, dass die Pflegefamilie so gute "Vorarbeit" geleistet hat. Die Maus ist quasi stubenrein, unheimlich aufgeschlossen Menschen und anderen Hunden gegenüber. Und sie hat uns schon so viel Freude gemacht und Liebe entgegen gebracht, dass mir mein Herz jedesmal größer und wärmer wird, wenn ich die Kleene sehe.

Ich hoffe, ich hab Sie mit der sehr ausführlichen Schilderung nicht gelangweilt. Aber mir geht das Herz so über, wenns um dieses Mäuschen geht.