John (19.09.2025)

 

 

Johns Happy End ging über mehrere Etappen und er wurde von einer unserer Volontärinnen adoptiert - seit November wohnt er nun mit ihr im schönen Südtirol - lesen Sie hier Johns Zeilen zu seinem Happy End:

 

Im Rifugio war ich lange „der Unsichtbare“. Einer von denen, die lieber auf Abstand bleiben, die beobachten statt zu vertrauen.

Dann kam sie.

Im September 2024 tauchte sie als freiwillige Helferin im Rifugio auf. Sie war nicht laut, nicht hektisch. Sie sah mich kurz – und ich sah sie. Mehr war damals nicht.

 

Monate später, im April 2025, stand sie plötzlich wieder da.

Diesmal durfte sie mit uns in den Freilauf. Während meine Artgenossen sich ausgiebig streicheln ließen und mit ihr alberten, schaute ich aus meiner Ecke zu. Und irgendwann passierte etwas Seltsames: Nicht sie kam näher – ich tat es.

Erst nur ein Schritt. Dann noch einer. Leise, vorsichtig, so, als würde ich über dünnes Eis gehen. Ich schlich hinter sie, ganz nah, gerade nah genug, um sie kurz zu beschnuppern. Nur eine Sekunde. Ein Test. Gefahr oder Sicherheit?

Da war keine Gefahr.

Als ich merkte, dass sie mich wirklich nicht drängte, wagte ich mehr. Ich kam seitlich näher. Blieb stehen. Legte mich hin. Und irgendwann ließ ich es zu: eine Hand auf meinem Fell. Sanft. Ruhig. Kein Festhalten.

Dann ging sie wieder.

 

Doch im August kam sie erneut, nur für ein paar Tage. Und als sie mich streichelte, erinnerte sich mein Körper sofort: Diese Hände bedeuten nichts Schlimmes.

 

Dann kam der Tag, der mein Leben endgültig veränderte.

Am 18. September stand sie wieder da – diesmal nicht zum Helfen. Diesmal für mich. Sie holte mich zur Pflegestelle. Und ich nutzte diese Gelegenheit, als hätte ich darauf gewartet: Ich verankerte mich in ihrem Herzen.

Ich war mittendrin in einem echten Alltag. Wir lebten in einem sardischen Haus – mit einem Mitbewohner und einer kleinen Hundedame, die sofort klarstellte, wie das Leben so läuft. Wir gingen ans Meer, spürten Sand unter den Pfoten, hörten Wellen. Wir streiften durch die sardischen Berge, und ich lernte, dass die Welt viel größer ist, als ich es mir vorstellen konnte.

Sie zeigte mir Neues. Nicht mit Druck, sondern mit Ruhe. Und jedes Mal, wenn ich kurz erschrak und wieder in mein altes Muster rutschte, war sie da. Mit Zeit. Mit Geduld. So wurde meine Angst leiser. Jeden Tag ein kleines bisschen.

 

Im November machten wir uns auf den Weg in ihr richtiges Zuhause: Südtirol.

Eine neue Luft. Neue Geräusche. Neue Gesichter. Und ihre Familie – Menschen, die mich sofort willkommen hießen. Dazu zwei weitere Hunde, die mich neugierig musterten und dann aufgenommen haben, als hätte ich immer schon hierher gehört.

Heute lerne ich mit Hilfe einer guten Hundetrainerin weiter. Ich entdecke Dinge, die ich früher nie für möglich gehalten hätte – Nähe, Gelassenheit, Vertrauen. Und manchmal, wenn ich in der Abendruhe liege, denke ich an Sardinien zurück.

Und ich bin gespannt, ob ich bald wieder dorthin zurückkehren darf – um meine alten Hundefreunde wiederzusehen, weil ich dann nicht mehr als scheuer Hund von früher komme, sondern als einer, der endlich angekommen ist: geliebt, sicher und mit einem echten Zuhause. Ein Zuhause im Herzen eines Menschen, der mich einfach gesehen hat.

 

Und genau deshalb ist es mein Happy End.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hier zur Erinnerung die Geschichte von John:

 

John – bereit für sein neues Zuhause
 
John wurde gemeinsam mit 10 weiteren Hunden von seinem alten Besitzer durch die Polizei auf Sardinien beschlagnahmt. Der ehemalige Besitzer war unseren Mitarbeitern vor Ort aufgrund der schlechten Tierhaltung schon lange ein Dorn im Auge und sitzt mittlerweile im Gefängnis.
 
Leider wissen wir nicht, wer die Eltern von John sind und auch nicht ob die beschlagnahmten Welpen alles Geschwister sind. Wir schätzen, dass John ca. 50 bis 60 cm groß werden wird.
 
John ist seinem Alter entsprechend neugierig und verspielt. Er zeigt sich äußerst sozial im Umgang mit anderen Hunden, verhält sich Menschen gegenüber jedoch noch etwas zurückhaltend. Katzen scheinen ihn bisher nicht weiter zu interessieren.
 
 
 
 
Update Juli 2025:
 
John hat sich mittlerweile richtig gut eingelebt und versteht sich problemlos mit anderen Hunden. Er ist ein eher zurückhaltender Hund und zeigt kein dominantes Verhalten. Menschen gegenüber öffnet er sich immer mehr, vor allem, wenn er Vertrauen gefasst hat.
 
Außerhalb seines gewohnten Umfelds bleibt er weiterhin vorsichtig und braucht manchmal einfach ein wenig Zeit, wirkt dabei aber nicht ängstlich. John ist ein prächtiger Kerl, der sich toll entwickelt, und wir würden uns sehr freuen, eine Familie für ihn zu finden, die ihm mit etwas Geduld den letzten Schritt ins Glück ermöglicht.
 
Wir wünschen uns für John ein liebevolles Zuhause für Immer, in dem ihm mit Zuneigung und Geduld alles Nötige für ein glückliches Hundeleben beigebracht wird.