26.12.2022 - Doc - vom Langzeitparker zum Familienmittelpunkt

Was lange währt... kann doch noch gut werden! Ganze vier Jahre saß der liebe Doc in unserem Rifugio, ohne dass sich jemand ernsthaft überlegte, ihn zu sich zu nehmen. Niemand verliebte sich ihn, bis sich letztes Jahr eine deutsche Familie dazu entschloss, Doc die eine Chance zu geben, die er brauchte. Mittlerweile ist der lebhafte Rüde längst zum vollwertigen Familienmitglied geworden, ein Weg, der nicht ohne Schwierigkeiten war, sich aber für alle Beteiligten gelohnt hat. Im Folgenden möchten wir Doc selber zu Wort kommen lassen:

„Hallo liebe Leute, jetzt ist es schon über ein Jahr her, dass ich zu meiner neuen Familie reisen durfte. Klar, anfangs war ich schon nervös und skeptisch, und es dauerte seine Zeit, sich in einer neuen Umgebung zurecht zu finden und diesen fremden Menschen auch zu vertrauen. Wir haben eine Weile gebraucht, bis wir uns aneinander gewöhnt hatten, aber inzwischen kann ich mir nicht Schöneres mehr vorstellen. Dass ich auch heute noch, wenn sich die Gelegenheit bietet, mein eigenes Ding durchziehe und die Gegend erkunde, versteht sich von selbst. Meine Ausreissversuche haben sich allerdings stark reduziert – ich weiß, wo ich zu Hause bin und habe nicht mehr das Verlangen, auszubüxen, sobald sich die Tür öffnet.

Und ich habe mir geschworen, in meinem neuen bequemen Zuhause mein Bestes zu geben! Es ist schon super: Da gibt es einen Garten mit Sträuchern, unter denen ich mich gerne verstecke und mich von deren Blätterkleid streicheln lasse, und auch eine große Rasenfläche, schön weich, kühl und angenehm, keinen Schotter wie auf Sardinien. Herrlich, und außerdem habe ich einen Fressnapf ganz für mich alleine. Zuerst dachte ich, dass ich ihn verteidigen müsste, wer wusste schließlich schon, ob ich von diesen Menschen morgen auch noch Futter bekommen würde? Aber ob Ihr es nun glaubt oder nicht, jeden Morgen nach unserem Spaziergang wird der Napf gefüllt und ich setzte mich dann brav hin, schaue meinem Futtergeber gaaaaanz tief in die Augen – und schon kommt das Kommando „nimm“. Für Agility bin ich leider nicht gemacht. Mir tut manchmal der Rücken weh, deshalb gehen wir alles etwas gemütlicher an und ich bekomme täglich meine Massage. Auch das Einsteigen ins Auto fällt mir schwer, doch wozu habe ich meine helfenden Hände? Genau für solch schwere Situationen brauche ich meine Familie ganz dringend – und sie bietet mir in allen Bereichen Unterstützung an.

Was wohl kaum jemand für möglich gehalten hätte: Ich habe gelernt, auf Kommandos zu reagieren. Dabei hat eine Hundetrainerin meine Familie und mich unterstützt... und mir dabei tief in die Seele geschaut: Sie meint, ich sei ein Pointer-Jagdhund-Mix, und würde immer meinem Jagdtrieb folgen. Mir war das schon lange klar! Das Jagen ist mein Job – zum Leidwesen meiner neuen Mama. Damit sie nicht sauer auf mich wird, bemühe ich mich dann schon, ab und zu meinen Jagdinstinkt auszuschalten, und zeige ihr das, was sie sich wünscht. Apportieren, Sitz, Bleib, Kegeln, Tor, Parken, Steigen, Suchen... kann ich alles, läuft zu Hause prima, aber ich in der freien Natur nun einmal nicht über meinen Schatten springen, wenn am Wegesrand so tolle Düfte zu erschnuppern sind und sich etwas im Wald bewegt... ich habe echt Glück, dass sie mich so liebt, wie ich bin! Sie investiert auf jeden Fall viel Zeit in mich und arbeitet an meiner Erziehung. Jetzt macht Frauchen auch noch mir zuliebe einen Hundelesekurs oder Sprachkurs was immer das ist. Auf jeden Fall werde ich sie im Auge behalten und ebenfalls studieren, wobei ich glaube, sie jetzt schon besser zu kennen, als sie mich. Bin gespannt was daraus wird... Kommunikation, Mitteilung, Verständnis, hört sich eigentlich ganz gut an.

Einer Sache bin ich mir ganz sicher: Ich habe das große Los gezogen und würde mich nie über meine Familie beklagen. Sie sind alle sehr nett und hilfsbereit, fürsorglich, aufmerksam und achtsam. Meine Menschen haben Mut bewiesen und mich zu sich geholt, dank ihnen habe ich es geschafft, bin zur Ruhe gekommen und rundum glücklich. Viele meiner Artgenossen im Rifugio warten noch immer auf ihr Happy End... und deshalb meine Bitte an Euch: Leute, traut euch, holt meine alten Leidensgenossen aus den Tierheimen und schenkt ihnen ein neues Leben!

Mit allerfreundlichstem Schwanzwedeln, Euer Doc“

Was für eine großartige Geschichte, der wir eigentlich nichts hinzuzufügen haben - bis auf unsere besten Wünsche für Doc und seine tolle Familie!