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25.04.2022 - Herdenschutzhunde - verkannte Wesen?

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Herdenschutzhunde - Über sie kursieren viele Vorurteile. Anstatt diese aufzuzählen und möglicherweise zu widerlegen, möchten wir an dieser Stelle einmal diejenigen zu Wort kommen lassen, die Herdenschutzhunde wirklich kennen und mit ihnen leben.

Den Anfang macht heute Ina Junge, eine erfahrene Pflegestelle von respekTiere e.V. Lesen Sie bitte weiter, um an ihrem reichen Erfahrungsschatz teilzuhaben ...

"Meine Erfahrungen mit Herdenschutzhunden (HSH)

Erste Erfahrungen mit diesen besonderen Hunden machte ich Anfang der 90er Jahre mit meinem Do Khyi (Tibet Mastiff), ohne etwas über HSH zu wissen. Er war der entspannteste, zuverlässigste, wachsamste und beste Familienhund den man sich vorstellen kann. Fremden gegenüber war er vorsichtig und beobachtete erstmal. War er der Meinung, die Menschen sind in Ordnung, dann nahm er Kontakt auf, beschnupperte sie, ließ sich anschließend gerne kraulen und sie gehörten einfach dazu.

War für ihn etwas bedrohlich, dann ließ er ein leises Knurren vernehmen, was meist schon reichte, um sich Respekt zu verschaffen und wirklich ungebetene Gäste zu vertreiben. Er wurde nie aggressiv! Normalerweise orientierte er sich an unseren Reaktionen. Kinder liebte er über alles, lag am liebsten mitten zwischen ihnen und war todtraurig, wenn er mal nicht dabei sein durfte.

Nachdem der Gute schon einige Jahre bei uns war, gehörte er, für mich völlig überraschend, zu den Listenhunden. Um ihn behalten zu dürfen musste ich den Sachkundenachweis für Listenhunde machen und mein Großer musste zum Wesenstest. Beides haben wir völlig unvorbereitet bestanden und meinem „Kampfhund“ wurde von allen anwesenden Fachleuten / Prüfern bescheinigt, sie hätten noch nie zuvor einen so wesensfesten Hund wie ihn erlebt. So sind sie halt, die gut sozialisierten HSH!

Inzwischen haben wir als Pflegestelle auch immer wieder Herdenschutzhunde über „respekTiere e.V.“ aufgenommen. Jeder Hund bringt neue Herausforderungen mit sich. Man darf nichts erwarten, man braucht einfach Geduld. Aufgrund der Erfahrungen, die diese Straßenhunde gemacht haben und ihres angeborenen Misstrauens als HSH, fällt es ihnen oft schwer Vertrauen aufzubauen. Alles erscheint ihnen hier zunächst fremd und bedrohlich: leben im Haus, draußen die Autos, Fahrradfahrer, spielende Kinder, Mülltonnen, selbst Blätter, die sich plötzlich im Wind bewegen, unverhoffte Geräusche... Sie kennen keine geregelten Abläufe oder Regeln und müssen alles neu lernen in dieser fremden Welt.

So war es auch für Yaska, die HSH-typisch sehr vorsichtig, misstrauisch und recht ängstlich bei uns ankam.

 

Selbst unsere beiden Hunde, Isy und Kasha, waren ihr zunächst nicht ganz geheuer. Ihre Zurückhaltung den Hunden und uns gegenüber legte sich aber recht schnell und sie bewegte sich bald ziemlich sicher im Haus und Garten solange kein Fremder kam. Spaziergänge bedeuteten für sie zu Anfang totalen Stress. Sie war lange Zeit so ängstlich und angespannt, dass sie bei jedem Geräusch, einer unverhofften Bewegung oder nur einer Plastiktüte, die irgendwo am Wegrand lag in Panik verfiel. Es war ihr z. B. nicht möglich an einem Spielplatz mit spielenden Kindern vorbeizugehen. Also drehten wir um, gingen einen anderen Weg und versuchten es jeden Tag aufs Neue.

Diese Hunde brauchen Zeit! Man kann / darf sie nicht zwingen, sonst verspielt man sehr schnell ihr Vertrauen - und es ist ein langer, schwieriger Weg sich ihr Vertrauen wieder zu verdienen. Mit viel Geduld hat sich Yaska aber zu einem ganz tollen Hund entwickelt, der alles sehr gelassen mitmacht und in eine tolle Familie vermittelt werden konnte.

Nach weiteren Pflegehunden kam dann die hübsche, weiße Roma zu uns. Sie war auch total ängstlich, traute sich nicht aus der Hundebox und versuchte sich immer wieder zu verkrümeln, was ihr auch den Spitznamen „Krümel“ einbrachte.

 

Die größten Probleme hatte auch sie außerhalb des Hauses. Draußen erschien ihr alles bedrohlich. Spaziergänge gestalteten sich ausgesprochen anstrengend. Sie war zu Anfang selbst in der ruhigen Anliegerstraße, ohne dass uns jemand begegnete, im absoluten Fluchtmodus. Auch fremde Menschen ängstigten sie.

Mit wachsendem Vertrauen wurde aber deutlich, dass sie sich immer mehr an unserem Verhalten orientierte. So kam nach Monaten wieder mal mein Sohn, der im Ausland studierte, nach Hause. Natürlich begrüßte ich ihn gleich im Flur überschwänglich. Zu unserer großen Überraschung kam Krümel angerannt, sprang an ihm hoch, leckte ihn ab und von da an lagen die beiden nur noch kuschelnd auf dem Boden. Sie merkte sofort, das war kein normaler Besuch! Sie hat ihre Ängste in dem halben Jahr bei uns wirklich toll abgebaut, hat sich hier im Alltag gut eingelebt und konnte sogar mit aufs Boot genommen werden.

Das „Krümelchen“ hat dann ihr endgültiges Zuhause bei einer tolle Familie mit zwei Kindern gefunden. Schon ein paar Wochen später durfte sie mit allen Urlaub am Gardasee machen. Tja, und dann kam Freddy nach drei Jahren auf den Straßen Sardiniens und einem Jahr Tierheim zu uns.

Er freute sich gleich über unsere beiden Hündinnen, erkundete vorsichtig aber recht neugierig Haus und Garten und schien auch nicht so extrem misstrauisch uns gegenüber.

 

Panik bekam er aber, als wir ihm für den ersten Spaziergang sein Geschirr anziehen wollten. Also war wieder mal Geduld gefragt. Wir wollten sein beginnendes Vertrauen nicht verlieren, und so hat es tatsächlich fast drei Wochen gedauert, bevor er zum ersten Mal bereit dafür war. Und dann der erste Spaziergang!
Freddy war völlig blind vor Angst, drehte sich ständig in der Leine, versuchte kreuz und quer zu laufen um dieser bedrohlichen Situation zu entkommen. Er war kaum zu halten. Wir sind nach ca. 50 Metern umgekehrt und haben uns jeden Tag aufs Neue der Herausforderung gestellt. Alles musste langsam und in kleinen Schritten gelernt werden. Und es hat sich sooo gelohnt!

 

Wir haben ihn später langsam ans Wohnmobil gewöhnt. Freddy hat alles super toll mitgemacht. Er hat lange Strandspaziergänge in Belgien am Meer genossen, ist wie selbstverständlich mit uns über die volle Strandpromenade marschiert, hat sich nicht von Skateboard fahrenden Kindern, Rollstuhlfahrern, Menschenmengen oder anderen Hunden beeindrucken lassen, hat Restaurants besucht und war überall völlig entspannt dabei. Ein echter HSH, der in sich ruht!

Ich liebe einfach diese Hunde, die Vertrauen gegen Vertrauen setzen, die keine Befehlsempfänger sind sondern selbst entscheiden, überzeugt werden wollen und sich doch so toll, ganz eng an ihre Familien anpassen können.

Sie alle haben eine Chance verdient!

Ina Junge"

Wir danken Ina Junge von ganzem Herzen für Ihren ausführlichen Erfahrungsbericht. Hier finden Sie weitere Informationen über HSH und jede Menge Welpen, die auf ein schönes Zuhause warten:

Wir würden uns sehr freuen, wenn die ein oder andere Fellnase ein Zuhause oder eine Pflegestelle in Deutschland finden würde.

Bitte helfen Sie uns und den Hunden dabei. Insbesondere unseren vielen, vielen Welpen, die dringend ein Zuhause benötigen!

Vielen herzlichen Dank! Grazie mille!