Rusty
Unser Rusty

Rusty kam zu uns sozusagen als verfrühter Nikolaus. Zu uns, das heißt in einen Drei-Mädel-Haushalt, in dem er sich durchaus seiner Rolle als Hahn im Korb bewusst war. Sehr schnell entdeckte er, wie Türen zu öffnen sind; zu unserem Glück nur in die eine Richtung, denn sonst wäre nichts mehr vor ihm in Sicherheit gewesen. Er war der freundlichste und frechste Lausbub, den wir kennen, mit eine übergroßen Portion Charme, so dass wir ihm nie lang böse sein konnten, auch wenn er sich raffiniert über jeden Misthaufen hermachte. So dass wir im Auto fast Gasmasken brauchten, bevor er von uns in die Badewanne bugsiert wurde. Was er überhaupt nicht witzig fand - ein gerechter Ausgleich!!

Eine besondere Vorliebe besaß er für antike Möbelstücke, der Geschmack der Jahrzehnte war einfach zu verführerisch, so dass manches in Sicherheit gebracht werden musste und manches jetzt zum Schreiner zur Restauration geht. Neben Holz war alles aus Plastik sehr reizvoll. Gerade jetzt im Frühjahr, als der Boden auftaute, entdeckte er die eingegrabenen Lilien in Töpfen. In diesem Jahr ist kein Umgraben nötig, da die Beete für eine totale Neubepflanzung von ihm vorbereitet wurden und für die nötige Düngung sorgte er zudem. Wahrscheinlich hatte er gartenarchitektonisch andere Vorstellungen als wir bisher.

Rusty war von allem, was er entdeckte, aufs Neue fasziniert. Er konnte davor stehen und staunen wie ein Kind am Weihnachtsbaum, apropos Weihnachtsbaum. Er fand den Geschmack der Honigkerzen hervorragend, und so war der Baum, sobald er einmal unbeaufsichtigt war, in Windeseile abgeräumt. Daraus ergab sich ein sich ständig verändertes Bodenbild, das meiner Putzfrau zu einer erhöhten Stundenzahl verhalf.

Rusty war ein furchtloser Jäger aller Bodenreinigungsgeräte. In seiner Nähe war an Kehren nicht zu denken, und sobald er den Staubsauger hörte, geriet sein Jagdtrieb in Ekstase. Er nahm mutig den Kampf mit den Düsen auf und schaffte es, die Düse während des Saugens in Einzelteile zu zerlegen, aber wir konnten sie wieder zusammenbauen. Seinen ersten großen Frust erlebte er, als der den Knopf zum Einschalten des Staubsaugers entdeckte, triumphierend schaltete er ihn ein und ging in die Kampfposition, aber was machte das doofe Ding - gar nichts!!!

Aber er hatte nicht nur zerstörerische Tendenzen. Eine besondere Freude war es jedes mal, wenn sein Bruder Luke zu Besuch kam und er stundenlang mit ihm durch den Garten tobte. Auch auf dem Hundeplatz und beim Spazieren gehen war er sehr kommunikativ und verstand sich auf Anhieb mit allen, denen er nicht zu wild war. Manche ältere Hunde begegneten ihm daher etwas reserviert. Er hatte nie die Tendenz zum Abhauen oder genauer gesagt, wenn, dann nur bis zum nächsten Misthaufen.

Außerdem hatte er schon viele Herzen erobert, so dass er schon eine zweite Heimat bei seiner Freundin Elke gefunden hatte. Er war einfach der King. Wir wussten, dass Rusty einen Herzfehler hatte, aber nichts deutete darauf hin, dass dieser ihm Probleme bereiten würde. Daher hat sein Tod beim Spazierengehen uns unvermittelt getroffen, als er sich hinsetzte, aufjaulte und starb.

Ich glaube, wir brauchen nicht zu sagen, wie sehr wir ihn vermissen. Der einzige Trost ist, dass wir vier wunderbare Monate mit ihm verbracht haben.

Rusty ist am 21. März 2009 verstorben.

Dein Adoptivfrauchen

Kleiner Rusty, du kamst mit deinen 3 Geschwistern zu uns auf die Pflegestelle. Du warst ein unglaublich fröhlicher Kerl. Sehr schnell fiel mir auf dass dein Herz nicht in Ordnung war. Es folgten viele Untersuchungen und ein Befund der niederschmetternd war. Aortenstenose, ein Blutdruck in schwindelnder Höhe. Du wurdest auf Betablocker eingestellt. Deine Geschwister zogen aus, weil sie alle eine Familie gefunden hatten. Du bliebst bei uns bis sich eine ganz liebe Adoptivmama meldete. Wir waren überrascht dass sich jemand dieser Situation stellen wollte und trotz dieser Diagnose an Adoption dachte. Die Fahrt zur Vorkontrolle von nahezu 600km war für uns selbstverständlich.

Gerne gaben wir dich auf diesen wunderbaren Platz. Viel Wärme und Liebe war hier zu spüren. Wir sind so traurig dass deiner Pflegemama nur 4 Monate mit dir zusammen vergönnt waren. Mach`s gut Kleiner. Grüße Lexi, die sicher jetzt wieder mit dir so tobt wie hier bei uns.

Deine Pflegeeltern Karin und Günter

Lexi † Februar 2009 und Rusty† März 2009