Lello

Lello – was kann, was darf, was muss?

Vor sechs Jahren wurden wir zum Supermarkt in Santa Teresa gerufen, die Streunerkatzen mussten weg! Damals sahen wir uns mit einer Situation konfrontiert, die wir jeden Tag durchleben müssen, heute, sechs Jahre später, wird uns einmal mehr bewusst, welche Verantwortung wir mit jedem unserer Schritte auf uns laden. Damals waren es halt ein paar Katzenkinder mehr in unserem Rifugio, erstmal nichts tragisches.

Tragisch wird es, wenn man sich bewusst macht, dass jedes einzelne Tier gegebenenfalls ein Leben lang auf uns angewiesen sein wird und wir im Moment der Aufnahme ein Versprechen abgeben, welches so eine unglaubliche Tragweite hat, wie man es sich kaum vorstellen kann. Mit diesem Kittenwurf haben wir unter anderem auch die Verantwortung für Lillo übernommen.

Lello, braucht jetzt unsere Hilfe. Lello lebte fünf Jahre lang unauffällig bei uns im Park. Manchmal war er zutraulich und schien für eine Vermittlung geeignet, manchmal ließ er sich länger nicht blicken und schon gar nicht anfassen. 2019 bemerkten wir das erste Mal Veränderungen auf seiner Nase und natürlich denken wir dann sofort an ein Plattenepithelkarzinom, ein Tumor, mit dem allem voran weiße oder hellhäutige Katzen auf Sardinien zu kämpfen haben.

Wir wollten keine Zeit verlieren, ließen Gewebeproben analysieren, es wurden keine Tumorzellen gefunden. Wir beobachteten den Verlauf, so gut es in einem Park von 2.000qm möglich ist und so gut wie man sich bei der täglichen Versorgung von mehr als 100 Tieren einer einzigen Katze widmen kann. Im Frühjahr dieses Jahres war klar, dass die Nase von Lello sich schneller veränderte als zuvor.

Dann kam Corona und nichts ging mehr. Als Tierarztbesuche wieder möglich waren, begannen wir mit unsren Fangversuchen. Wenn eine Katze in diesem Umfeld sich nicht fangen lassen möchte, so haben wir allerdings keine Chance. 2.000 qm dicht bewucherte Fläche, Schilf, Macchia, undurchdringbar. So vergingen Tage und Wochen und Monate und letztlich begann ein Wettlauf mit der Zeit. Nun ist es uns gelungen, Lello zu fangen, der Zustand seiner Nase ist furchtbar. Es galt und gilt jetzt jeden Schritt abzuwägen: Was kann , was darf, was muss man für ihn tun?

Die tiermedizinischen Möglichkeiten auf Sardinien sind begrenzter als in Deutschland. So konsultieren wir mit Foto – und Videomaterial einen Onkologen auf Sardinien, zwei Chirurgen … und letztlich landete Lello in diesen Tagen nach einer Reise von mehr als 400 Kilometern in einer Klinik, wo er einer Computertomografie unterzogen wurde, um das Ausmaß des Tumors zu sehen.

Sehen Sie hier ein Video mit Lello.

Laut den Ärzten ist die knöcherne Struktur noch nicht befallen und sie raten dringend zu einer Operation, in der man versuchen muss, das Tumorgewebe so gut es geht zu entfernen. Wir haben die Wahl, Lello über die Regenbogenbrücke zu schicken, wir haben aber auch die Wahl zwischen zwei Chirurgen, die diesem Eingriff eine reelle Chance zusprechen. Wir möchten Lello diese Chance geben.

 

Aktualisierung 29.01.2021:

SOS - bedeutet immer auch größte Not, Verantwortung, Angst und Hoffnung!

 

Er wurde Anfang Oktober 2020 einer invasiven Operation unterzogen, um das Plattenepitelkarzinom auf seiner Nase zu entfernen. Der Tumor war riesig, da Lello lange nicht gefangen werden konnte, ebenso groß war die Wunde nach der Operation und ebenso groß die Herausforderung, ihn auf dem langen Heilungsweg zu begleiten.

Das liegt nun knapp vier Monate zurück. Wir haben uns aufgrund der Schwere der Operation und der Diagnose eine Zweitmeinung einer Klinik in Cagliari eingeholt und der Genesungsprozess wird nun von zwei Tierärzten sowie dem passionierten Team im Rifugio begleitet.

Sehen Sie hier ein aktuelles Video mit Lello.

Heute sind wir sicher, der Weg war der Richtige für Lello aber er ist lange nicht zu Ende und es werden sicherlich neue Steine in Form von kleineren Tumorgeschehen auf dem Weg in die Zukunft liegen.

Wir haben in 2014 die Verantwortung für Lello übernommen und wir werden ihn weiterhin begleiten. Dafür brauchen wir Sie, jeden einzelnen, der fühlt, was wir fühlen, der mit uns die Verantwortung tragen kann, die uns sonst erdrückt.

Lello, Lillo und wir danken Ihnen von ganzem Herzen für Ihre Hilfe!

GRAZIE MILLE DI CUORE!