Hüppi (Alias)

 

Liebes Hüppelinchen,

die Pflegestelle, welche einen so guten Eindruck machte, wollte Dich umgehend los werden und so haben wir uns auf den Weg gemacht, Dich zu holen.

Es war die zweite oder dritte Pfleggestelle und Du solltest bei uns nur kurz zwischengeparkt werden, bis sich eine weitere Übergangsstelle bis zur nächsten Pflegestelle finden würde. Du warst schon völlig durch den Wind, daher beschloß ich, dass Deine neue Pflegestelle gleich hier sein sollte.

Wochenlang warst Du nur mit Tricks dazu zu bewegen, Deine Transportbox im Haus für kurze Ausflüge in den Garten zu verlassen. Zum Glück hast Du auch das Auto als sicheren Ort angesehen und bist eingestiegen, wenn Du Dich unbeobachtet fühltest und Dir der Zugang zum Haus verwehrt wurde, konntest somit auch mit arbeiten fahren. Während Rudolph und Rosa mit draußen waren, während wir Gärten anlegten, hast Du alles aus dem sicheren Auto heraus beobachtet. Zum Feierabend musstest Du Dich wieder unbeobachtet fühlen, um das Auto zu verlassen und Dich in Deine Transportbox zurückzuziehen.

Irgendwann hattest Du so viel Vertrauen, dass ich winzige Runden mit Dir gehen konnte, welche Du stocksteif an meiner Seite absolviert hast.

Dann ging es aber ziemlich schnell voran, Du bist voll durchgestartet und fandest Gefallen an den Spaziergängen und am Leben überhaupt, die Transportbox brauchtest Du nicht mehr. Dein Herrchen fandest Du fast zeitlebens suspekt und musstest ihn immer verbellen, anfassen durfte er Dich auch nicht. Daher solltest Du in einen Frauenhaushalt vermittelt werden, aber der fand sich nicht.

Dafür warst Du sowieso schon viel zu sehr in meinem Herzen verankert und nach eineinhalb Jahren wurdest Du adoptiert – das war eigentlich schon lange absehbar.

Du hast mir Deine ganze Liebe und Dein volles Vertrauen geschenkt und bist kaum von meiner Seite gewichen, das war bei zwei Maremmani im Haushalt ein richtiger Luxus, Du wurdest mein ich-kann-mich-auf-dich-verlassen-Hund, meistens jedenfalls, denn wenn ich mich Deiner Meinung nach zu wenig um Dich gekümmert habe, hast Du schon mal Läufer oder Radfahrer gejagt, damit ich mich mit Dir befasse. Sonst hast Du Dir zum Glück von Deinem Rudel nicht abgeschaut wie man jagt, sondern hast nur mit einem ganz tiefen Bellen und ein paar Sprüngen in den Wald angezeigt, dass dort etwas Spannendes ist.

Deine Lebensfreude hast Du eine Weile gezeigt, indem Du aus vollem Lauf einen Purzelbaum über die Schulter geschlagen hast, das war einzigartig, zumal Du schon mindestens 5 Jahre alt warst. Sonst warst Du mit allem zu motivieren, was mit Futter zu tun hatte. Deine Spürnase hat leider auch jedes weggeworfene Pausenbrot ausfindig gemacht, das hat mich manchmal bald zur Verzweiflung gebracht. Wälzen und buddeln haben Dir immer viel Freude bereitet, gemeinsam mit Rosa und Lola konntest Du Dich richtiggehend festbuddeln.

Es war ein ganz besonderes Gefühl, als Du irgendwann nach einem Jahr nachts zu mir ins Bett geklettert bist und Dich eng an mich gekuschelt hast. Zum Glück wolltest Du nicht immer in meinem Bett schlafen, denn Du hast Dich ganz schön breit gemacht. Wenn ich Dich gestreichelt oder gebürstet habe, wolltest Du mir immer gleichzeitig Deine Zuneigung beweisen und mir die Hände lecken. Wir haben uns viel über kurzen Blickkontakt verständigt, Du hast mich ja immer genau beobachtet und konntest mich deutlich besser lesen als ich Dich.

Die anderen Hunde im Rudel, zu dem neben Rudolph und Rosa nach Dir auch noch Ettore und Lola kamen, hättest Du nicht unbedingt gebraucht, zum Teil hast Du sie akzeptiert, manchmal gemobbt, da die Ressourcen Mensch und Futter nur Dir gehören sollten, größtenteils aber einfach ignoriert. Nur mit Etto verband Dich eine Art Freundschaft und Rosa hast Du während ihrer letzten Tage sorgfältig begleitet und bewacht, später auch eine Weile ihren Platz als Hüter des Tores übernommen.

Viele schöne Urlaube haben wir zusammen verbracht, unzählige Spaziergänge gemacht, oft zusammen auf der Couch gesessen, Du hast mich mit dem Rudel zur Arbeit begleitet, bist treppauf und treppab hinter mir her gelaufen, warst im Garten in meiner Nähe, gerne auch in einer gebuddelten Kuhle.

Nach neuneinhalb gemeinsamen Jahren wurdest Du krank, nur Kleinigkeiten zuerst, aber dann wurdest Du schwächer und appetitlos, einen Grund konnte der Tierarzt nicht wirklich finden, obwohl wir Dich auf den Kopf stellten. Dann wolltest Du eines Tages gar nicht mehr laufen, nicht mehr fressen, nicht mehr ständig in meiner Nähe sein. Da war mir klar, daß das der Abschied ist und der Tierarzt hat Dich zuhause in meinem Arm über die Regenbogenbrücke geschickt.

So ganz weg bist Du nicht, auch wenn Du nun schon fast ein Jahr weiter auf mich aufpasst, gemeinsam mit Rosa und Rudolph (während Rudolph wohl eher weiterhin sein Ding macht) von Eurer Wolke aus.

Diese Worte sind viel zu dürftig für all das, was Du mir gegeben hast.

Es bleiben so viele Erinnerungen, an große und an winzige Dinge mit Dir, an eine wunderbare Zeit, für die ich von Herzen dankbar bin.


 

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