Lola (20.03.2009)

Ich schau Dir in die Augen,Süße!

Lola- Meisterin der subtilen Dominanz! Überraschend bist Du zu uns gekommen, gespannt waren wir, was uns erwartet. Aufgrund Deiner Vergangenheit rechneten wir mit einem verängstigten, schüchternen Hund, aber dann kamst da Du! Mitgebracht hattest Du nur Lebensfreude, Selbstbewußtsein sowie Mut und Lust auf ein neues Leben!
Niemals galt es Eis zu brechen, Du warst sofort da. Erst wie ein Kind, das die Welt entdeckt, manchmal übermütig, zeitweise arrogant. Deine Mitbewohnerinnen hast Du spöttisch beim Ballspiel betrachtet, wurde es Dir zuviel, hast Du den Ball kurzerhand beschlagnahmt. Niemals bist Du laut geworden, wenn Du etwas wolltest, reichte Dein Blick. Deine Augen sind gefährlich, wunderschön, dunkel wie die Nacht und abgrundtief! Wie oft sind sie uns zum Verhängnis geworden!
Wir wissen, einen aussergewöhnlichen Hund kennengelernt zu haben. Dein Urvertrauen und Deine Liebe zu allen Menschen hat Dein grausamer ehemaliger Besitzer Dir nicht nehmen können. Möge es Dir immer erhalten bleiben!
Nun lebst Du in Dinslaken, ganz in der Nähe. Dort bist Du mit soviel Zuneigung aufgenommen worden, dass wir sehr berührt waren. Du liebst Dein Leben und wir wünschen uns, dass das Leben Dich und Deine neue Familie liebt!

Deine Pflegefamilie und einen dicken Kuss vom Pflegepapa

September 2009
Hallo, hier meldet sich die Dosenöffnerin von Lola, jetzt Luna. Ich wollte mit euch mal ein paar der Schoten, die Luna uns tagtäglich beschert, teilen.
Neulich war Luna mit Cooper (Border Collie, genauso ein Kracher wie Luna) im Nachbargarten, der nicht komplett eingezäunt ist. Cooper war völlig fertig und abgespielt und Luna dachte sich: „Was mag wohl hinter diesen Sträuchern sein? Oh, eine Böschung, ich klettere mal runter!“ - und siehe da, ein offenes Fenster.
Ich bekomme die Krise, ausgerechnet das Wohnzimmerfenster von einer ausgewiesenen Nichthundefreundin! Es ging alles so schnell, bis ich überhaupt rufen, hinterher etc. konnte, ein Riesengekreisch, in etwa AAAAAHHH und IIIHHHH, im Hintergrund der Mann, der dann rief „Was ist los, was ist los?“-  Göttin sei Dank hatte der selbst einmal einen Hund, bis er sich mit dieser Frau zusammen getan hat. Der Rest des Dialogs blieb mir erspart, da Luna doch die schlechte Thermik wahrgenommen hatte und nach meinem leisen Zischen, durch die Sträucher zurückgekrabbelt kam. Am liebsten hätte ich gesagt: „Nee, den Hund kenne ich nicht, der läuft mir schon seit dem Bahnhof hinterher!“
Diese Geschichte hat viele, viele Menschen in der Nachbarschaft belustigt: „Haha ausgerechnet bei DER, super, dafür gibt es Kekse!“ - Wenn es nicht unser Hund wäre, hätte ich auch gelacht. ;-)

Morgens ca. 6.00 Uhr. Wir kommen von unserem Gassigang zurück und gehen an einem Lieferwagen vorbei, bzw. ICH gehe an einem Lieferwagen VORBEI und höre hinter mir: „Na, wer bist Du denn?“ Ich denke: Das kann nicht sein! Luna ist ums Auto rum und ist auf der anderen Seite schon halb eingestiegen, wo der der gute Mann sein Tagewerk vorbereitet hat.

Abends ca. 22.00: Wir kommen vom Gassigang zurück, und ich höre hinter mir keine tapsenden Schritte mehr, drehe mich um und bekomme schon wieder die Krise: Luna steht im Fenster eines Hauses und gafft rein. Das Haus ist ca. 120 Jahre alt und die Fensterbank ist auf Menschenkniehöhe. Ich höre Stimmen, die darauf schließen lassen, dass sie die Spannerin entdeckt haben, grrr.  Ich habe sie nur von der Fensterbank gepflückt und den Menschen nett zu gewunken und hätte das Tier würgen können.

Blöd ist, dass Flickenteppiche so kleine, herausstehende Zippelchen haben, die eliminiert werden müssen. Bis jetzt haben wir drei Teppiche zu beklagen.

Ich habe auch bis heute nicht vergessen, dass diese kleine Maus es geschafft hat, in Windeseile neun Frikadellen zu klauen - Luna hat es leider auch nicht vergessen! Wenn ich koche, ist es manchmal eine logistische Herausforderung…

Ich habe festgestellt, dass Luna gut hören kann. Sie hört morgens um ca. 4.30 die Zeitungsbotin. Gut so, denn so weiß ich, dass ich die Zeitung auch pünktlich vorfinde. Nach einer einseitigen Kissenschlacht haben wir uns darauf geeignet, dass sie nicht mehr lautstark bellt sondern nur noch vor sich hingrummelt.
Sie hört auch die Keksdose oder die Kühlschranktür oder wenn Hunde bei uns vorbeigehen.
Sie kann verschiedene Autogeräusche unterscheiden, meines oder das unserer Mitbewohnerin, sie erkennt auch unterschiedliche Fahrräder am Geräusch usw.
Nur wenn ich so Geräusche von mir gebe, die sich so anhören wie „Nein“, „Aus“, „Hierher“ etc., beschleicht mich das Gefühl, das Lunas Gehör schlagartig nachlässt, bzw. sie ihren angeborenen Schalldämpfer einschaltet. Ich übe jetzt krampfhaft, das Geräusch einer gerade sich öffnenden Keksdose zu imitieren. Kann das der Grund sein, warum mich Menschen im Wald seltsam ansehen oder sogar einen anderen Weg einschlagen?

Ich kann aber auch super Fortschritte berichten, Luna kann Pfötchen geben, sogar wahlweise die rechte oder die linke. Manchmal sogar beide gleichzeitig. Wir arbeiten jetzt an den hinteren Pfoten. Man soll ja versuchen die natürlichen Instinkte des Hundes so umzulenken, dass sie dem Menschen nützen und beide ihren Spaß haben. Ich denke an Border Collie Cooper, der holt die verschiedensten Sachen, legt sie einem wahlweise in die Hand oder vor die Füße, auf den Tisch etc.. Mir kann sich leider bis jetzt noch nicht der Sinn von Pfötchen-geben erschließen. Luna hingegen hat ihren Sinn gefunden, denn wenn sie ihre Show abzieht bekommt sie dafür von den verschiedensten Menschen Ansprache („Oh, wie süß!“), oder sogar Kekse. Miss Charming lässt grüßen.

Jetzt mit Abstand betrachtet:
Die Kleine ist einfach ein Kracher, sie ist im Haus super lieb (bis auf nicht beaufsichtigte frisch gebratene Lebensmittel und wild gewordene Flickenteppiche ;-) 
Gegenüber anderen Hunden hat sie ein ganz tolles, differenziertes Sozialverhalten, ich bin beeindruckt und kann mich auf sie verlassen.
In „freier Wildbahn“ ist sie einfach ein Energiebündel, voller Hundelebensfreude. Kurz: Es geht uns allen gut! Danke für diesen Hund und für eure tolle Arbeit!!