Rosa (11.12.2008)

Eigentlich fing alles mit Gerry an…

Ein rotbrauner Deutscher Schäferhund, vom Tierschutz aus einer Kneipe im Rheinland getragen, auf der Suche nach einer Bleibe, welche er dann bei Hajo fand. Ich kam erst später dazu, wurde aber gleich als Familienmitglied angenommen. Da Gerry ein ganz normal langes Hundeleben mit uns verbringen wollte, aber erst als etwa siebenjähriger zu Hajo kam, wurde er stolze 17 Jahre alt.

Auf Gerry folgte Butsch aus dem örtlichen Tierheim, eigentlich sollte es nicht wieder ein Deutscher Schäferhund sein, aber der beigegraue, zweijährige Kerl machte so nachdrücklich auf sich aufmerksam, dass er auf unsere Kandidatenliste kam und uns anschließend 11 Jahre begleitete.

Schon zu Butschs besten Zeiten war klar, dass es nicht unser letzter Hund sein wird. Beim Urlaub in Italien lernten wir zwei große weiße Hunde kennen und sagten so daher, solch ein  Hund könnte irgendwann der Nachfolger werden. Im Sommer 2008 stöberten wir im Internet nach Tierheimen und Tierschutzorganisationen, dabei landeten wir auf einer Seite, wo alle zu vermittelnden Hunde nach Rassen aufgeführt waren. Wie war das noch mit den großen weißen, wie heißen die überhaupt? Maremmano-Abruzzese, das könnte es sein, ja, so sahen die aus, die gibt es über den Tierschutz?

So fanden wir Rudolph, einen etwa eineinhalbjährigen Rüden, ein ehemaliger Straßenhund. Dann tauchte der Begriff „Herdenschutzhund“ auf – was ist das denn, Hund ist Hund, oder? Vorsichtshalber haben wir uns mit passender Literatur versorgt und erstmal ein wenig erschreckt über das, was da auf uns zukommen könnte. Hund ist eben doch nicht Hund!

Dann konnten wir unseren Rudolph in Köln-Bonn in Empfang nehmen und waren von dem hübschen, verschmusten und eigensinnigen Hund gleich ganz und gar fasziniert. Zum Glück haben wir ziemlich schnell eine Hundeschule mit Herdenschutzhunderfahrung gefunden, denn Rudolph benötigt eine konsequente Erziehung, welche aber nicht so wie die bei anderen Rassen ausgerichtet ist. Fragt sich, ob Hund oder Menschen mehr lernen, jedenfalls macht es allen Spaß. Schließlich soll Rudolph größtmögliche Freiheit bekommen und das geht nur, wenn er im Rahmen der Herdenschutzhundeigensinnigkeit zu beeinflussen ist. Also üben, üben, üben und sich nie entmutigen lassen, irgendwann klappt jede Lektion und dann ist die Freude groß, da geht man mit Schwung an weitere Übungen.

Es ist wirklich spannend, alle Variationen des Herdenschutzhundverhaltens am eigenen Hund zu entdecken!

Natürlich haben wir weiterhin die Aktionen von respekTiere verfolgt, uns über weitere vermittelte Hunde gefreut und bei Problemen mitgefiebert. Irgendetwas wollten wir auch tun. Die Idee, mal einen Pflegehund aufzunehmen, reifte. Dann kam der Fall Rosa, deren Adoptionsfamilie im letzten Moment einen Rückzieher machte. Kurz entschlossen nahmen wir Rosa, den Herdenschutzhundmix, die ihr vierjähriges Leben bisher im Tierheim verbrachte, bei uns auf, um sie an das Leben in Deutschland zu gewöhnen, ihr Zuneigung und Vertrauen zu zeigen und auch ein wenig beizubringen.

Es geht einem schon nahe, wenn so ein Hund zum ersten Mal vorsichtig über eine Wiese geht, skeptisch einen Fahrradfahrer betrachtet, interessiert eine Amsel beobachtet oder  Teppen steigen lernt, alles Neuland für sie. Die ersten Tage hat sie zuhause ihre Decke kaum verlassen und Rudolph immer angemeckert, wenn er ihr zu nahe kam. Er hat das einfach akzeptiert und sie in Ruhe gelassen.

Welche Angst sie hatte, als sie zum zweiten Mal seit ihrer Fahrt vom Flughafen ins Auto gesetzt wurde, sie dachte bestimmt, ihr neues zuhause verlassen zu müssen! Dann habe ich Rosa mal an einem Gartenzaun angebunden und wollte was aus dem Auto holen – wie der Blitz ist sie aus dem Geschirr geschlüpft, hinter mir her gerannt und in meine Arme gesprungen. Da hatte sie eigentlich schon gewonnen, nur war mir das nicht so klar. Rosa hat so schnell ihr ganzes Vertrauen in uns gesetzt, das kann man doch nicht enttäuschen! Mir wurde klar, dass ich sie nicht mehr hergeben möchte.

So haben wir also innerhalb von nicht mal drei Monaten zwei erwachsene Herdenschutzhunde bekommen und sind sehr glücklich mit den beiden. Rudolph, unser unerschrockener Draufgänger und Ausreißer (er nutzt jede Gelegenheit, um zum Bäcker zu rennen und alte Brötchen zu mopsen), wird auf einmal zum Musterschüler und beschützt außerdem seine Hündin. Rosa, die Schüchterne, schaut sich Lektionen ab und zeigt auf einmal herdenschutzhundtypisches Beobachtungsverhalten. Beide verstehen sich prima, lernen freudig und gut und teilen sich ihre Schlafplätze. Wenn einer der beiden mal weg war, gibt es eine große Begrüßung.

Es ist schön zu beobachten, wie sich zwei Hunde in ihre neue Umgebung finden, ihre Namen lernen, gerne im Haus sind, sich Streicheleinheiten hingeben, ganz entspannt schlafen, entdecken, dass man miteinander spielen kann, dass fremde Menschen einem unterwegs Leckerlis anbieten, man alles gemeinsam macht...

Jeden Tag gibt es für uns Menschen neues an den beiden zu entdecken. Zwei Hunde sind nicht so schwierig, sie bringen sich gegenseitig viel bei (aber auch viel Blödsinn, da muß man aufpassen) und es stimmt auch nicht, dass erwachsene Hunde nichts mehr lernen. Bei Herdenschutzhunden hat man sowieso viel Zeit, sie werden nämlich viel später erwachsen. Als nächstes lernen die beiden vielleicht, in einem Motorradbeiwagen zu fahren. Dann können wir gemeinsam in den Urlaub fahren!

Wir sind gespannt, was wir vier noch alles gemeinsam erleben werden.

Rosa und Rudolph, wir freuen uns, dass ihr bei uns seid und werden euch ein schönes Leben bieten!