Vinci
Vor über einem Jahr hat uns dein Besitzer, Signor R., angerufen und um Hilfe gebeten. Er sprach von einem weißen Kater, der Probleme an den Ohren hätte, und auch im Gesicht wäre was nicht okay ...

Als wir dich dann sahen, waren wir schockiert und mussten weinen. Weinen über so viel Leid und so viel Unwissenheit deines Halters, und gleichzeitig waren wir gerührt über den Funken an Verantwortungsbewusstsein und Sensibilität, die wir bei diesem einfachen und rauhen Sarden spürten.

Damals hat jeder mit einem schnellen Tod von dir gerechnet, heute hast du uns mit deinem Abschied nicht nur tiefe Trauer beschert, sondern ein großes Fragezeichen hinterlassen. Warum, amore?

In der Tierklinik in Olbia haben die Tierärzte dir die krebszerfressenen Ohren amputiert und in einem komplizierten Eingriff den Tumor über dem Auge entfernt. Du hast diese Operation und die lange Zeit in der Klinik tapfer überstanden, daher nannten wir dich Vinci, die zärtliche Abkürzung von vincitore, einem Sieger.

Als wir dich nach Deutschland vermitteln wollten, um zu verhindern, dass deine helle Haut weiterhin der aggressiven Sonneneinstrahlung ausgesetzt würde, wurden unser Pläne durch eine niederschmetternde Diagnose zunichtegemacht: Du wurdes FIV-positiv getestet. Die Hoffnung auf ein schönes Zuhause mit großem Garten und vielen Samtpfoten mussten wir begraben. Die Ansteckungsgefahr für gesunde Katzen wäre zu groß gewesen, und als seriöser Verein hätten wir dich nur in Wohnungshaltung oder in einen katzensicheren Garten vermitteln dürfen. Wäre das ein Leben für dich gewesen? Wir denken, nein!

So bist du all die Zeit auf Sardinien geblieben, von deinem Menschen – Signor R. – gefüttert  und von unseren Helfern vor Ort regelmäßig besucht und kontrolliert worden. Auch wenn wir dich gerne woanders gesehen hätten, so haben wir in deinen Augen doch die Dankbarkeit und Freiheit gesehen.

Signor R. rief uns an, um uns von deiner geschwollenen Lippe zu erzählen. Während wir noch über Brennnesseln und sonstige Gründe grübelten, bist du einfach verschwunden und lagst kurze Zeit später tot auf dem Grunstück, das du dein Zuhause genannt hast. Wir konnten dir keine Verletzungen oder einen äußeren Einfluss ansehen, nur noch deinen Tod feststellen.

Wir werden nie erfahren , was dir geschehen ist und du wirst nie erfahren, dass es in diesen Tagen eine Vermittlungsanfrage für dich gab. Du wirst auch nicht erfahren, dass wir einem kleinen, behinderten Welpen deinen Namen gegeben haben, damit auch er kämpfen kann. So wie du.

Ciao Vinci, ciao amore.