Ehrlichiose
Erreger, Vektoren und Verbreitung

Die canine Ehrlichiose ist eine sehr häufig und weit verbreitete Krankheit und konzentriert sich auf tropische und subtropische Länder, kommt aber bis auf Australien inzwischen weltweit vor. In Europa fand man schon vor über 10 Jahren einen hohen Prozentsatz serologisch positiver Hunde: Türkei 64%, Spanien 40%, Portugal 50% und Süditalien 20%. In einer großangelegten Studie wurde auch eine recht hohe Seroprävalenz bei Hunden auf Sardinien festgestellt [Cocco R., et al., 2003]. Somit stellt diese Infektion auch auf Sardinien ein größeres Problem dar. Der wichtigste Erreger der Ehrlichiose ist Ehrlichia canis, ein Bakterium aus der Ordnung der Rickettsien. Er wird von Schildzecken, vor allem von der braunen Hundezecke, auf Hunde beim Saugakt über den Zeckenspeichel übertragen.
 
Inzwischen muss man davon ausgehen, dass durch die zunehmende Ausbreitung von Zecken in Richtung Norden immer mehr Ehrlichiosefälle in Deutschland auftreten, die nicht mehr als typische „Reiseinfektionen“ angesehen werden können [Jensen, J. 2007]. Ehrlichia canis befällt Monozyten und Lymphozyten und vermehrt sich hier während der Inkubationszeit von ca. 10-20 Tagen. Dabei wird die zelluläre Abwehrfunktion stark beeinträchtigt. Anschließend verbreiten sich die Erreger in Leber, Milz und Lymph-knoten. Es werden zwar sehr hohe Antikörperspiegel gebildet, die aber dann häufig keine Schutzfunktion besitzen.

Die Symptome der Ehrlichiose

Die Symptome der Ehrlichiose sind häufig unspezifisch. Nach der Inkubationszeit zeigen die Tiere in der Akutphase häufig die folgenden Symptome:

•    schlechtes Allgemeinbefinden,

•    ständig wiederkehrendes Fieber

•    Schwellung der Lymphknoten

•    Nasenausfluss /  Nasenbluten

•    Erbrechen

•    beginnende Thrombozytopenie


Nach diesem Stadium können einige Hunde den Erreger eliminieren und gesunden, andere durchlaufen eine subklinische oder chronische Infektion. Das subklinische Stadium kann einige Woche, oder aber auch mehrere Jahre dauern. Zumeist bleiben die Tiere hier symptomlos. Die chronische Infektion geht häufig mit erhöhter Blutungsneigung (Nase, Schleimhäute und Haut) und der Bildung von Ödemen an den Gliedmaßen einher. Es kann auch zu Krämpfen und zur Beeinträchtigung des Zentralnervensystems (ZNS) kommen. In Folge der Infektion werden vermehrt Gammaglobuline gebildet, aus denen Immunkomplexe entstehen, die bei einer zu späten Behandlung durch die daraus entstehenden Niereninsuffizienz zum Tod des Tieres führen können.

Gefahr für Tier und Mensch?

Infektionen des Menschen durch den Erreger sind beschrieben, allerdings nur durch die Übertragung durch Zecken. Eine Hund-Mensch-Übertragung ist denkbar, wurde aber bisher noch nicht nachgewiesen. Hingegen ist eine Hund-Hund Übertragung durch direkten Blutkontakt bekannt [Neer, T.M., 1998].  Es gibt Berichte, dass die als humane monozytäre Ehrlichiose bekannte Infektion des Menschen auf Hunde übertragen wurde [Ewing, S.A. et al., 1997]. Ehrlichiose canis wird nicht als Zoonose-erreger angesehen.

Vorbeugung

Zunächst sollte man einen nicht unbedingt notwendigen Aufenthalt in endemischen Gebieten mit Hunden vermeiden. Die primäre Maßnahme zur Prävention einer Infektion mit Ehrlichien ist ein effektiver Schutz gegen Zeckenbefall. Es gibt eine Vielzahl von Mitteln, welche äußerlich anzuwendende repellierende (abweisende) und zeckenabtötende Wirkstoffe (z.B. Deltamethrin oder Permethrin) enthalten. Ihr Einsatz ist sehr sinnvoll, da sie die Gefahr des Auftretens weiterer, durch Zecken auf Hunde übertragbarer, Erkrankungen senken. Deltamethrinhaltige Halsbänder sind nebenwirkungsarm und haben eine Schutzwirkung von etwa sechs Monaten. Sie werden besonders während der warmen Jahreszeit empfohlen.

Grundlegendes zur Behandlung

Gegen Ehrlichien wird vorzugsweise Doxycyclin (ein Tetracyclin) eingesetzt. Das Antibiotikum wirkt allerdings nur dann effektiv, wenn es in Kombination mit Imidocarb (Carbesia) Anwendung findet. Häufig wird eine Behandlung aufgrund eines positiven Antikörperspiegels durchgeführt und dabei außer Acht gelassen, dass eine antibiotische Therapie nur sinnvoll ist, wenn aktive Ehrlichien vorhanden sind. Deshalb ist es wichtig auf eine akute Symptomatik zu achten. 
 
Eine Behandlung aufgrund eines positiven Antikörperspiegels ist nicht nur wenig sinnvoll, sondern auch gefährlich. Ehrlichien können gegen Doxycyclin Resistenzen entwickeln und somit nach erneutem Ausbruch der Erkrankung bei wiederholter Behandlung nicht mehr beseitigt werden [Naucke, T.J.,  2013].

Vor Behandlungsbeginn empfehlen wir deshalb unbedingt Rücksprache zu halten, dies direkt bei Dr. Naucke von Parasitus Ex. unter: Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können

Im Internet kursiert in diversen Foren die Aussage, dass der Wirkstoff Doxycyclin als Doxycyclin-Hyclat (Doxycyclin. HCl . EtOH . H2O) die ideale Form der Verabreichung darstellt, weil damit ein gleichmäßigerer Tagesspiegel erreicht werden würde. Einen Beleg dazu gibt es in der einschlägigen wissenschaftlichen Literatur nicht. In einer früheren Studie wurde hingegen die Bioäquivalenz verschiedener Doxycyclin-Darreichungsformen bezüglich Resorption und Verteilung im Körper belegt. [Kees F. et al., 1990] Pharmakologisch betrachtet gelten daher alle Doxycyclin-Formen als gleichwertig. Jüngst konnte in einer Dissertation belegt werden, dass Doxycyclin-Hyclat häufig zu Fieber und Reizungen der Speiseröhre führt und deshalb insbesondere bei der Behandlung von Katzen nicht angewendet werden sollte [Hupfauer S., 2010]. Deshalb sollte Doxycyclinhydrat (Doxycyclin. H2O) verabreicht werden.

Außerdem ist bei der Gabe von Doxycyclin zu beachten, dass die Wirksamkeit bei paralleler Futtergabe um ca. 20% sinkt [Plumb, D.C., 1999] und bei gleichzeitiger Gabe von Milch oder anderer calciumreicher Nahrung sogar völlig verloren geht (gilt für alle Tetracycline). Leider hat man selbst bei korrekter Behandlung keine Garantie für eine Erregerelimination. Trotzdem besteht bei guter Haltung des Tieres eine sehr große Chance auf eine langes Leben und das Erreichen des durchschnittlichen Lebensalters.

Quellen

Cocco, R. et al., 2003. Ehrlichiosis and Rickettsiosis in a Canine Population of Northern Sardinia, Ann. N.Y. Acad. Sci. 990: 126–130.

Ewing, S.A. et al., 1997. Dogs infected with a human granulocytotropic Ehrlichia spp (Rickettsiales, Ehrlichieae). J. Med. Entomol. 34, 710-708.

Hupfauer, S., 2010. Doxycyclin-Therapie bei Hunden und Katzen: eine retrospektive Studie zur Untersuchung unerwünschter Arzneimittelwirkungen, Dissertation LM-Universität München.

Jensen, J., 2007. Vorkommen von Ehrlichia canis bei Hunden in Deutschland?  In:  Tierärtl. Praxis 35, 123-128.

Kees, F. et al, 1990. Untersuchungen zur Bioverfügbarkeit von Doxycyclin, Arzneim.-Forsch./Drug Res. 40, 1039-1043.

Naucke, T.J.,  2013. Persönliche Mitteilung.

Neer, T.M., 1998. Canine monocytic and granulocytic ehrlichiosis.in: Greene C.E. (Hrsg.): Infectious diseases of the dog and cat. 2. Auflage, W.B. Saunders Company, Philadelphia, 139-154.

Plumb,  D.C.,1999. Veterinary Drug Handbook. PharmaVet Publishing, White Bear Lake (USA); 853 pp.