Pippo Nero (26.07.)

 
Pippo Nero hat sein neues Zuhause in Wiesbaden gefunden. 
 
Folgende Zeilen haben wir aus seinem neuen Zuhause erhalten: 
 
„Pippo Nero,  benvenuto a casa!“ 

mit diesem wunderschönen Banner hatten Hajo und Bettina unseren Eingang geschmückt. Und wirklich, aus der Hoffnung: „Körbchen in Aussicht“ ist nun ein Zuhause geworden! 

Warum einen Hund aus dem Ausland holen? Unsere eigenen Tierheime sind doch voll mit Hunden, die auch eine neue Familie suchen. Und einen Hund aus dem Internet „bestellen“, nur aufgrund von Fotos und Beschreibungen – ausgeschlossen. So tönten wir jahrelang vehement.

Als wir unseren geliebten Streuner aus dem örtlichen Tierheim nach über 17 Jahren gehen lassen mussten, da fragten alle gleich „Und wann holt ihr euch wieder einen Neuen?“ Die Vorstellung war absurd, ein Hund ist doch kein Pullover, den man einfach austauscht; wir wollten nicht einfach irgendeinen Hund an unserer Seite, wir wollten unseren Ben zurück. „Ach, ihr werdet sehen, eines Tages ergibt sich einfach plötzlich etwas.“ Wir ließen die Leute reden und trauerten um unseren Hund.

Und dann ergab sich tatsächlich etwas: wir lernten Hajo und Bettina von respekTiere besser kennen und ihre Hunde lieben. Aus den Spaziergängen durch den langen Winter 2013/14 wuchs im Frühjahr zaghaft der Wunsch wieder einen eigenen Hund an der Seite zu haben.

Aus privaten Gründen mussten wir uns bis zum Sommer gedulden.  Unglaublich aufgeregt standen wir schließlich am 26.7. am Flughafen in Stuttgart. Würden sich unsere Erwartungen erfüllen? Würden wir zueinander passen? Schließlich hatten wir eine hundelebenslange Entscheidung getroffen, denn wieder zurückgeben, käme für uns unter keinen Umständen in Frage. Aber ach, alle Befürchtungen waren überflüssig, was haben wir da für einen süßen kleinen Fratz bekommen! Viel hübscher als auf den Fotos.

Aber auch wesentlich ängstlicher als in der Beschreibung. So vieles ist noch furchtbar irritierend und erschreckend für Pippo, weswegen wir vorerst nicht allzu laut reden, uns nicht hektisch bewegen. Wir lernen den richtigen Weg zu finden zwischen dem sanften Aufbau von Vertrauen und dem angstfreien Vorangehen bei Gefahr.

Beim Spazierengehen benötigen wir in der ersten Zeit auf gar keinen Fall eine lange Schleppleine: wie ein Prinzgemahl  läuft Pippo stets drei Schritte hinter uns, offensichtlich froh, dass wir uns mit den vielversprechenden Wegen so gut auskennen. Beunruhigenden Begegnungen weicht er aus, indem er sich flach ins Gras legt. Wir warten ab und gehen dann kommentarlos weiter. Die zukünftigen Gassirunden  werden  Pippo zeigen, dass nicht jeder Artgenosse ein bissiger Hund ist und Menschen, egal, ob mit Rollator, Walkingstöcken, Kinderwagen oder Rollkoffern, nicht grundsätzlich furchteinflößend sein müssen. Immerhin hat er bereits nach zwei Tagen seine beiden neuen Frauchen als vertrauenswürdig eingestuft, lässt sich problemlos hochheben, intensiv streicheln und findet es andererseits durchaus in Ordnung, mal für eine Stunde alleine zu bleiben.  

Und dass man beim Spaziergang gleichzeitig auch geschäftliche Dinge zu erledigen hat, wird unser sardisches Familienmitglied dann auch bald begriffen haben…

Feste Strukturen prägen momentan Pippos Alltag, wir erhoffen uns damit für ihn die Sicherheit eines liebevollen Zuhauses.  Ganz allmählich vergrößern wir die Spaziergeh-Runden und erweitern damit auch den Horizont; wir zeigen unserem Sanftmütigen, wie schön ein –hoffentlich langes- Leben außerhalb von Zwingergittern sein kann. Jeder Tag bringt also neue Herausforderungen und Lektionen für Pippo. Mit durchaus positiven Resultaten: sehr bald schon hat er entdeckt, wenn er die Pfote behutsam auf unseren Arm oder Oberschenkel legt, wird weitergestreichelt… Großes Erstaunen und Begeistern lag in seinem kleinen Hundegesicht, als er die Wirkung seines Einsatzes begriffen hatte! Immer wieder wollte er es testen.

Das Lernen begann bereits bald nach der Ankunft: als Hund darf man hier in festen Steinhäusern schlafen, und es ist daher nicht nötig, sich eine Kuhle unter Stauden zu graben; außerdem gehört einem der Futternapf nun ganz alleine, man muss also nicht versuchen, Essensreste unter den Fliesen im Wohnzimmer zu verbuddeln.

Aber auch vor uns liegt noch reichlich Arbeit, startet man doch an einem völlig anderen Ausgangspunkt als bei unserem in Deutschland aufgewachsenen und sozialisierten Tierheimhund vorher. Aber wir freuen uns riesig auf die neue Aufgabe und sind gerne bereit mit ihm zu lernen und zu wachsen. Bestimmt wird Pippo in nicht allzu ferner Zeit ein souveräner fröhlicher Begleiter auf ausgedehnten Wanderungen sein, und wir werden uns schmunzelnd erinnern, wie verunsichert er anfangs hinter uns hergeschlichen ist. (Womöglich müssen wir ihn dann sogar bei irgendwelchem Schabernack begrenzen.)

Ob er seine sardischen Hundekameraden vermisst? Wenn wir sehen, wie gut gelaunt er zwischen Schlafplatz im Wohnzimmer und Garten hin- und herpendelt und neugierig auf seinem  Ausguck auf der Terrasse ausharrt, mit durchs Feld streift und abends glückselig (der Ausdruck trifft es wirklich) in seinem dick gepolsterten Korb schläft, sich wohlig auf dem Rücken räkelt und die Beine selig baumeln lässt, dann glauben wir, wir haben für ihn die richtige Entscheidung getroffen.  Er hat seine Menschen adoptiert, lässt sich tapfer auf sein neues Leben in Freiheit ein und scheint in seiner neuen Heimat angekommen zu sein.

Nicht nur äußerlich ist der kleine Kerl so ganz anders als unser Ben und doch nach dieser kurzen Zeit schon so tief in unser Herz eingedrungen. Überaus glücklich sind wir mit unserem hübschen  Pippo Nero mit dem unglaublich schwarz-seidig glänzenden Fell und den sanften Augen. Ganz vernarrt sind wir bereits in diesen trotz allem schon sehr anhänglichen Schmusekerl. Es ist beglückend zu sehen, wie er jeden Tag kleine Fortschritte macht. Vielleicht hat da bei der Auswahl dieses so passenden Kerlchens ein kleines Hundeherz im Himmel mitgeholfen…