Rossina

Wir hätten Dir so gerne eine viel längere, glückliche Zeit gewünscht, hatten gehofft, dass Du Dich körperlich noch einmal erholst.

Liebe Rossina, es kam nun anders. Dein hohes Alter und die vielen Jahre harten Lebens in der LIDA hatten Dir schon zu sehr zugesetzt, Du hast es einfach nicht mehr schaffen können, noch einmal so richtig aufzublühen, noch einmal über die Wiesen zu sausen und mit erhobener Nase gegen den Wind zu schnüffeln. Der Garten hat Dir Sicherheit gegeben und bot Dir schon wesentlich mehr Abwechslung als viele Jahre das staubige Gehege. Ein gemütliches Plätzchen hast Du Dir im Haus ausgesucht, auf dem Du die meiste Zeit des Tages geruht hast. Aber wenn Dein Pflegefrauchen Dir Aufmerksamkeit schenkte, dann war die Freude groß, dann leuchteten Deine Augen! Wenn sie nach Hause kam, standest Du strahlend vor ihr und man sah, wie sehr Du Dich freuen konntest, wie lieb Du sie hattest. Es gab sogar kleine Momente, in denen Du Absichten zeigtest, mit Deinen vierbeinigen Freunden zu spielen. Es gab diese Tage, an denen Du die Gesellschaft aller suchtest und Dich zu der ganzen Familie abends ins Wohnzimmer legtest. Aber im Grunde hast Du die Ruhe immer vorgezogen.

Leider machten Dir die epileptischen Anfälle immer mehr zu schaffen. Immer öfter wirktest Du danach desorientiert und haltlos, mochtest nicht mehr viel fressen und man sah, dass Deine Energie schwand. Aus dem letzten Anfall schafftest Du es nicht mehr allein heraus.
Ach Rossina, es blieb Dir nicht mehr ganz ein Jahr in Deutschland und wir können nur hoffen, dass Du diese Zeit trotz Deiner Gebrechlichkeit genießen konntest, dass Du gespürt hast, wie lieb Dich Deine Pflegefamilie hatte, die Dir gerne viel länger Zuwendung und Liebe geschenkt hätte.

Sie ist todunglücklich über Deinen Abschied und viele Menschen, die Dein Schicksal immer verfolgt haben, ebenso.

Mach's gut, altes Mädchen! Liebe Rossi, Du bleibst uns unvergessen....ruhst nun unter einem alten Maulbeerbaum.
 
Dein Pflegefrauchen schrieb uns diese traurigen Zeilen:

"Diesmal habe ich Euch wirklich sehr traurige und vor allem endgültige News über Rossina mitzuteilen. Seit gestern Nachmittag lebt sie nicht mehr. Sie hatte gestern wieder einen epileptischen Anfall, der nicht mehr enden wollte. Sie ist in den "Status epilepticus" gefallen und selbst schwere Beruhigungsmittel haben sie nicht mehr hinausgebracht. Zum Glück hatte ich die Tierärztin trotz Mittagspause erreicht und sie kam auch sehr schnell. Rossina hat über eine Stunde schlimmstens gekrampft, eigentlich war sie am Ende, aber von alleine loslassen konnte sie dennoch nicht. Als sie auch nach der Gabe von Diazepam nicht aufgehört hat zu krampfen und derartig lange anhaltende Krampfanfälle schwere Hirnschäden hinterlassen, habe ich auch  auf Anraten der Tierärztin die Entscheidung gefällt, sie zu erlösen. Dieser schrecklich lange Anfall ebbte unter der Gabe des starken Barbiturates, das die Tierärztin ihr in den Bauchraum gespritzt hatte, bald ab. Dann lag sie da, tief schlafend, ganz friedlich und ruhig atmend. In diesem Moment war ich einfach nur froh für das alte Mädchen. Rossinchen hat dann recht bald aufgehört zu atmen und konnte so friedlich und nicht von Krämpfen geschüttelt über den Regenbogen gehen. Die Tierärztin meinte noch, dass sie ungewöhnlich schnell gestorben ist unter dem Barbiturat, was sie als Zeichen nimmt, dass der Hund wirklich nicht mehr konnte. Dass ihr Herz schwer angeschlagen war, wussten wir ja. Ich konnte nicht mehr tun, als sie zu streicheln und leise zu ihr zu sprechen.

Die ganze Nacht konnte ich nicht schlafen, weil mich die schlimmen Bilder verfolgen. Ich versuche mich jetzt einfach damit zu trösten, dass mein Rossinchen jetzt ihren Frieden hat und nie wieder so leiden muss. Sie war so ein dankbares, altes Mädchen, immer lieb und niemals aggressiv, ein bisschen schüchtern, aber mir gegenüber doch anhänglich. Und wie sie sich immer über ihre Leberwurstreiterchen (zur Medikamentengabe) gefreut hat, da kam sie bis in die Küche, wenn sie gemerkt hat, dass ich am Schmieren bin. Dann hat sie einen regelrechten Tanz aufgeführt, bis ich endlich fertig war mit den Leberwurstreiterchen. So möchte ich sie in Erinnerung behalten! Schade, dass sie die besten Jahre ihres Lebens im Rifugio verbringen musste, sie war bestimmt mal ein ganz toller Hund. Bleibt mir nur zu hoffen, dass sie nach den anfänglichen Schwierigkeiten ihr umsorgtes Leben hier trotz vieler Ängste ein wenig genossen hat!"

Hier sehen Sie ein Video von Rossina.