Ciao King

06.02.2012: King - ein wilder Kater auf den Straßen Deutschlands - was passiert im Alter?

King ist ein Fall wie es ihn vermutlich oft in Deutschland gibt. Aber er wurde rechtzeitig kastriert und konnte sein Leben in einer gewissen Sicherheit verbringen. King wurde in einem kleinen Ort im Kreis Rommerskirchen (bei Grevenbroich) geboren. Er hatte mit seinen Geschwistern nicht die beste Voraussetzung für ein glückliches Leben, denn er wurde wild und frei geboren. Das soll nicht heißen, dass sein Leben vielleicht erfüllter war als manches Katzenleben im Tierheim oder in furchtbarer Haltung, aber seine Prognose war durchaus ein früherer Tod, denn der Hunger trieb die Katzen durch das Dorf über die Hauptstraßen.

Dieses sollte sich jedoch verändern als eine alleinstehende Frau mit Hund und Katze eine Parterrewohnung mit Garten bezog. Schnell verstanden die wild lebenden Katzen von den umliegenden Bauernhöfen, dass es hier Fressen gab und eine Gartenhütte, die schnell mit warmen Decken und Körben präperiert war. Aber das reichte natürlich nicht, denn auch dieser Dame war schnell klar, dass es schon bald Überhand nehmen würde, wenn man den Geburtenlauf nicht unterbrach. Sie begann also aus dem örtlichen Tierheim sich die Katzenfalle auszuleihen und nach und nach alle Tiere zu kastrieren. Es war immer eine Gruppe von ungefähr 10 Katzen, das war 2001. Zwischendurch gesellte sich noch ein Katzenpärchen hinzu, welches augenscheinlich ausgesetzt war. Dieses Pärchen fand über respekTiere ein schönes Zuhause. So verbrachte die Gruppe Jahre lang ein doch ganz angenehmes Leben mit regelmäßigem Futter, kastriert und bei Krankheit einem Tierarztbesuch. Doch nach und nach verstarben die Tiere, sei es durch einen Unfall, unerklärtes Wegbleiben oder Krankheitsbedingt.

King ist einer der letzten Katzen von dieser ursprünglichen Gruppe. Er war immer der Stärkste - schon von Kleinauf. Er war wild und frei und lebte sein Straßenkaterleben in vollen Zügen aus. Doch dies blieb auch nicht unverborgen, denn nun mit 11 Jahren nahm sein Stärke, sein glänzendes Fell und seine Sehnsucht nach Freiheit immer mehr ab. Er wirkte krank, seine Augen tränten oft stark und er bekam schweren Schnupfen. Doch auch in diesem Zustand noch liess er sich nicht anfassen, nicht fangen und ging den Menschen aus dem Weg. Als es endlich gelang King einzufangen begann ein Horrortrip für den wundervollen, starken Kater. Er musste beim Tierarzt einige Tage stationär verbringen. Dann wurde er 14 Tage auf einer Notfallpflegestelle in einem Käfig gehalten, damit man ihm die Medikamente verabreichen konnte. Uns blieb keine Wahl, sonst hätten wir ihn aufgeben müssen, seine Kräfte hätten ihn verlassen, vermutlich wäre er zum Sterben weggegangen. Das wollten und konnten wir nicht zulassen. Er benahm sich recht brav in seiner Gefangenschaft und mit viel Geschick gelang es sogar die Augensalbe zu verabreichen. Seine Nahrungsaufnahme war minimal, er hatte die Lust am Leben verloren...

Nach Beendigung der Therapie kam er zurück in seine alte Umgebung. Doch er wollte keinen Moment länger in einem Haus eingesperrt sein und schrie, ging die Wände hoch, so dass der Dame nichts übrig blieb, als King wieder in die Freiheit zu entlassen. Drei Tage blieb er fort, es waren entsetzliche Tage des Wartens, der Sehnsucht ihn nur einmal zu sehen ob es ihm gut ging. Nach drei Tagen sprang er aufs Fensterbrett am Schlafzimmer und schaute frech hinein. Der Hund und der Kater waren in den letzten Monaten verstorben, so dass nur noch ein wilder Kater dort die Liebe der Dame in Anspruch nahm und Einzog als der eigene Kater seine letzte Reise antrat. Er nahm seinen Platz ein und war fortan nur noch in der Wohnung oder im Garten. Twiggy, der neue Hauskater, duldete King und so begann King täglich mehr ins Warme zu kommen ob durch die Katzenklappe oder das Schlafzimmerfenster. Aber er wurde wieder krank, speichelte viel Blut, röchelte und seine gerade wiedergewonnen Kraft verschwandt. Was sollten wir tun. Wir mussten King nun einmal gründlich untersuchen lassen um herauszufinden, warum er immer wieder mit den Augen, dem Maul und dem Schnupfen Probleme bekam. So gelang es der Dame ihn erneut zu fangen, morgens in unsere kooperierende Klinik zu bringen und ihn dann abends wieder abzuholen. Wir musste auf die Ergebnisse warten. Doch diesmal sollte die Rückkehr nach Hause anders verlaufen. Er legte sich aufs Bett und schlief tief ein. Ob der Kater nun gemerkt hat, dass er kein Jungspunt mehr ist und sein Alter, seine Krankheit ihn sanfter machen? Wir wissen es nicht.

Die Diagnose schrieb uns nun seine Ärztin so zusammen, dass wir alle sie gut verstehen können:

King wurde am 18.12.2012 in unserer Klinik zur weiteren Diagnostik vorgestellt. Vorberichtlich hat er schon länger Probleme mit Husten und Röcheln. Seine Augens ind auch seit längerem entzündet und eitrig. Vorbehandlungen mit Antibiotika gaben keinen dauerhaften Erfolg.

Allgemeine Untersuchung:

King zeigt sich hier von geringgradig verringertem Allgemeinbefinden, seine Bindehäute sind geschwollen, gerötet und zeigen fillikuläre Auflagerungen, die Cornea ist mit Blutgefäßeinspossungen überzogen und leicht trüb, an beiden Augen zeigt sich gelblicher Ausfluss, seine Maulschleimhaut ist gerötet und entzündet, teilweise hyperplastisch und blutig, die regionären Lymphknoten sind vergrößert. Seine Körpertemperatur liegt im Normbereich. Bei der Auskultation von Herz und Lunge zeigten sich keine Auffälligkeiten, genau so zeigt er keinerlei Nasenausfluss, nach der klinischen Untersuchung kann sein Problem auf den Bereich Maulhöhle, oberer Atemtrakt, Luftröhre lokalisiert werden. Es scheint sich um einen chronischen Prozess zu handeln. Die röntgenologische Untersuchung der Brusthöhle, Lunge und Herz zeigte keine spezifischen Veränderungen.

Zur genaueren Diagnostik musste King in Narkose gelegt werden. Hierbei wurden verschiedene Proben entnommen, um eine genaue Diagnose als Ursache für seine Probleme stellen zu können. Außerdem bekam er eine umfassende Zahnsarnierung, bei der aber alle Zähne erhalten bleiben konnten.

1. Gewebeproben aus der Maulschleimhaut zur pathologischen Untersuchung.
2. Gewebeproben aus den Bindehäuten der Augen zur pathologischen Untersuchung.
3. Bakteriologische Abstriche aus der Maulschleimhaut / Lymphknoten und Bindehäuten zur Erstellung eines Antibiogramms mit Erregerbestimmung.
4. Cytologischer Abstrich aus den Bindehäuten zum virologischen Erregernachweis.

Dei Ergebnisse der pathologishen Untersuchung lassen auf einen chronischen Prozess schliessen, der wahrscheinlich eine Reaktion des Immunsystems auf pathologische Stimuli (Bakterien, Viren) ist.

Bei der bakteriologischen Untersuchung wurden zwei verschiedene Bakterien isoliert (Pasteurella multocida, Staphylococcus felis) und ein Antibiogramm erstellt. Ind er virologischen Untersuchung des Augentupfers konnten keine spezifischen Viren isoliert werden.

King wird jetzt mit einem Langzeitantibiotikum behandelt, auf das beide Bakterienspezies sensibel sind. Außerdem bekommt er enzündungshemmende Medikamente, die Schmerzen lindern und die Schleimhäute abschwellen lassen.

Da es sich bei seiner Erkrankung umeinen chronischen Prozess mit immunpathologischen Komponenten handelt, kann die Behandlungsdauer schwer eingeschätzt werden. Es wird mehrere Wochen antibiotisch und antiinflammatorisch behandelt werden müssen, wobei es unklar ist, ob er nochmal richtig gesund wird.

Es war schon immer wieder der Wunsch da, dass King auf eine tolle Endstelle kommt, wo er besser behandelt werden kann. Die Dame ist Vollberufstätig und hat daher nicht die Möglichkeit sich intensiv zu kümmern. Wir haben gemeinsam abgewogen ob wir ihn überhaupt umsetzen möchten oder nicht. Erst einmal wird er nun dort bleiben, da er sich gerade positiv entwickelt und die Wärme im Haus und Nähe zum Menschen akzeptiert. Nur kurze Rundgänge macht er in der Kälte und kommt dann schnell wieder ins Haus.

Sollten sich wirklich Menschen finden, die einen Katzenausbruchsicheren Garten besitzen und viel Zeit haben um sich um King zu kümmern und ihm die letzten Jahre noch in Sicherheit zu schenken, würden wir uns über eine Anfrage freuen.

Bis dahin möchten wir King auf die Patenschaftseite stellen. Nicht nur, dass er uns aktuell für die Untersuchungen und Medikamente viel Geld gekostet hat, wird er auch in Zukunft Medikamente und regelmäßige Untersuchungen benötigen. Werden Sie für King ein Licht am Ende des Tunnels. Unterstützen Sie unsere Arbeit und spenden Sie monatlich eine Ihnen mögliche Summe für King. Wir werden Sie weiterhin unterrichten.

05.09.2012: Freiheit über alles...

Endlich gibt es wieder Neuigkeiten von dem freiheitsliebenden Kater King. Fotos sind allerdings sehr schwer von ihm zu machen, da King momentan eher unregelmäßig zu seiner Pflegestelle  kommt und dann auch schnell wieder verschwunden ist.

King befindet sich aber nach wie vor dort auf seiner Pflegestelle, doch er ist ein absoluter Freigänger. Er ist als solcher geboren und wenn die Sonnenstrahlen da sind, dann macht er sich vom Acker und kommt nur unregelmäßig zurück zu seiner Pflegemama. Das ist natürlich sehr unglücklich wegen den Medikamenten, die King eigentlich ständig wegen seinen entzündeten Augen und angeschwollenen Schleimhäuten bekommen sollte.

Einsperren kann man den Kater aber nicht…! Im letzten Herbst und Winter kam er ja freiwillig in die Parterrewohnung von seiner Pflegemama und machte es sich dort gemütlich. Nur anfassen und streicheln  ist bei ihm nach wie vor sehr schwierig.  Lediglich seine Pflegemama hat schon einen gewissen Zugang zu ihm. Im Sommer ist King nun leider wieder zu einem richtigen Streuner geworden.

Er kommt nur unregelmäßig zum Fressen und von daher wird sein Zustand immer wieder schlechter, da er in der Zeit, wo er unterwegs ist, auch nicht medizinisch behandelt werden kann. Wenn es King gar nicht gut geht, dann kommt er allerdings zurück und legt sich in die Wohnung. Das ist dann die Gelegenheit, dass seine Pflegemama ihn in eine Box locken kann und dann geht es zum Tierarzt, der dann eine direkte Behandlung machen muss.

Das Ganze ist natürlich in Bezug auf die Gesundheit von King nicht sehr befriedigend, da er ja eigentlich täglich seine Medikamente benötigt. Von daher wären wir grundsätzlich nicht abgeneigt ihn in andere Hände zu geben. Das bedeutet, er müsste dann in die Hände einer Pflegestelle oder auch Endstelle, die ein Katzensicheres Areal haben z.B. einen katzensicher eingezäunten Garten, wo man ihn wirklich täglich behandeln kann. Unsere Sorge ist allerdings die Umsetzung! Bislang lebte King sein ganzes Leben lang frei wie ein Vogel, entscheidet jeden Tag selber und er weiß, dass er Hilfe bekommt, wenn es ihm nicht gut geht. Eigentlich möchten wir ihn nicht einschränken und ihn nicht einsperren und ihm seine Entscheidungen bis zum bitteren Ende auch selbst überlassen. Das verstehen wir durchaus auch unter Tierschutz, eben ein Tier nach Möglichkeit bis zum Ende in seiner gewohnten Umgebung mit seiner gewohnten Freiheit zu begleiten. Ein Landstreicherleben eben…

Trotzdem machen wir uns alle immer wieder Sorgen, wenn King so abgemagert und mit entzündeten Augen und angeschwollenen Schleimhäuten nach Hause kommt. Aber ihn selbst scheint es wohl nicht so sehr zu stören, denn sonst würde er im Sommer nicht so ausgiebig seine Freiheit genießen und eher das behütete Zuhause der Pflegemama in Anspruch nehmen. So, wie er es im Herbst und Winter auch getan und genossen hat. Und wir hoffen, dass er in der kälteren Jahreszeit auch wieder öfter dieses warme und sichere Zuhause sucht, so dass er dann wieder regelmäßiger seine Medikamente bekommen kann. Denn die Tierarztbesuche mit einer direkten Behandlung sind natürlich auch immer wieder eine Kostensache.

Es ist wichtig, dass King Paten hat! Denn nur durch sie ist es möglich ihm seine Freiheit zu lassen, ihn trotzdem von seiner Pflegemama betreut und ihn vor allem mit Medikamenten und ärztlichem Beistand versorgt zu wissen. Und das ist die Grundvoraussetzung dafür, dass er dieses Leben in Freiheit, wenn auch nicht gesund, aber doch so wie es momentan ist, leben kann und damit nicht dem Tod ausgeliefert ist.

 

10.05.2013 - Ein Leben in Freiheit hat sein Ende gefunden….

Leider müssen wir uns schweren Herzens von King verabschieden. Der freiheitsliebende Kater hat seinen letzten Kampf verloren und musste eingeschläfert werden. Natürlich war uns klar, dass irgendwann der Tag kommen würde, an dem so eine Entscheidung anstand. Aber nun ging alles so schnell…

King hat schon seit Monaten abgebaut. Der stetige Gewichtsverlust, die Apathie - alles waren beängstigende Zeichen.  Und dann kam die Zeit wo es ihm richtig schlecht ging. Der tapfere Landstreicher kam mit einem tränenden, stark eiternden Auge nach Hause. Am nächsten Tag konnte er endlich eingefangen und in die Tierklinik gebracht werden. Zuerst hatte man nur ein Blutbild gemacht, sowie Cortison und Antibiose verabreicht. Erst sollten die Schilddrüsen- und Organwerte zeigen, ob eine  Therapie noch sinnvoll ist oder ob es für King keine Rettung mehr gab.

Das Blutbild hatte bei King eine enorme Schilddrüsenüberfunktion ergeben. Die Werte lagen weit außerhalb der Skala. Geplant war für King nun ein mehrtägiger, stationärer Aufenthalt, um das schlimm entzündete Auge und die Schilddrüsenüberfunktion in den Griff zu bekommen. Leider sollte es nicht mehr dazu kommen. Aufgrund eines Lungenödems musste King künstlich beatmet werden und sein Zustand hat sich nochmals rapide verschlechtert.

Irgendwann muss man loslassen und darum haben wir uns schweren Herzens dazu entschlossen, King nicht länger leiden zu lassen. King hat uns auf beeindruckende Weise gezeigt, dass man niemals aufgeben soll, sondern dass es sich lohnt für sein Leben zu kämpfen. Er hat seine Freiheit über alles geliebt und wir haben alles versucht, ihm sein Leben so schön wie möglich zu machen.

Und das er in seiner Freiheit so gut es eben ging versorgt und betreut werden konnte, dass haben wir nicht nur seiner Pflegemama, sondern auch seinen Paten zu verdanken. Dafür möchten wir uns im Namen von King bei seiner Pflegemama und seinen Paten von ganzem Herzen bedanken!

Dich King, werden wir nie vergessen… Du hast uns gezeigt, dass dir der Inhalt deines Lebens, nämlich frei zu sein, sehr wichtig war. Und da, wo du jetzt bist, kann dir keiner mehr deine Freiheit nehmen. Mach’s gut kleiner Landstreicher…